Letztes Update am Mi, 03.07.2019 15:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Seenotrettung

Ingesamt 2500 Migranten mussten länger auf NGO-Schiffen ausharren

Seit Juni 2018 sei es in 19 Fällen zu einem Tauziehen zwischen Italien und NGO-Schiffen gekommen, berichtete Ärzte ohne Grenzen. Durch die „Kriminalisierung“ von Rettungseinsätzen würden die Leiden von ohnehin schwachen Menschen verlängert.

NGO-Vertreter bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch in Rom.

© AFPNGO-Vertreter bei einer gemeinsamen Pressekonferenz am Mittwoch in Rom.



Rom – Wegen der Politik der „geschlossenen Häfen“, die Italien seit über einem Jahr in Sachen Einwanderung systematisch betreibt, mussten rund 2500 Migranten insgesamt 165 Tage lang an Bord von Rettungsschiffen ausharren. Seit Juni 2018 sei es in 19 Fällen zu einem Tauziehen zwischen Italien und NGO-Schiffen gekommen, berichtete die Hilgsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ (MSF) am Mittwoch in Rom.

Die Organisation bemängelte, dass durch die „Kriminalisierung“ von Rettungseinsätzen im Mittelmeer die Leiden von ohnehin schon schwachen Menschen verlängert worden seien. Auch Handels- und Militärschiffe seien davor abgeschreckt worden, Migranten in Seenot zu retten.

Migrantenabfahrten auch ohne Anwesenheit von NGO-Schiffen

Seit Anfang 2019 seien lediglich an 60 Tagen NGO-Schiffen im Mittelmeer unterwegs gewesen. „Jede sechste Migrantenabfahrt erfolgte in Abwesenheit von NGO-Schiffen im Mittelmeer“, rechnete der MSF-Sprecher in Italien Marco Bertotto vor. Damit sei klar, dass Migrantenabfahrten auch ohne die Anwesenheit von Rettungsschiffen erfolgen, so MSF. Die italienische Regierung argumentiert damit, dass ihre Politik zu einem Rückgang der Überfahrten geführt habe.

„Ärzte ohne Grenzen“ betonte, das 60 Prozent der 2019 abgefahrenen Migranten von der libyschen Küstenwache nach Libyen zurückgebracht worden seien. Dabei sei es offenkundig, dass Libyen kein sicherer Hafen sei, wie auch der jüngste Angriff auf ein Flüchtlingslager im Land mit 44 Todesopfern zeige. Die NGOs forderten die Rückgabe der von der italienischen Justiz beschlagnahmten Schiffe, darunter der „Sea-Watch 3“.

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Die Vertreter mehrerer NGOs, darunter die deutsche Sea Watch, protestierten am Mittwoch gegen einen Beschluss der Regierung, einen im Parlament geplanten Bericht der NGOs gegen die Anti-Migrationsmaßnahmen der Regierung abzusagen. Die Reden der NGO-Vertreter im Parlament wurde abgesagt, nachdem die Haft für die „Sea Watch-3“-Kapitänin Carola Rackete vor einer Untersuchungsrichterin auf Sizilien aufgehoben wurde. (APA)


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