Letztes Update am Di, 09.07.2019 16:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sea-Watch

Nach Kritik von Salvini: Messe für Kapitänin Rackete abgesagt

Ein Pfarrer der Diözese Padua hatte zu einer Messe „für Carola Rackete und alle mutigen Frauen und Männer“ aufgerufen, die aber so eine große Polemik auslöste, dass sie wieder abgesagt wurde. Die Regierungspartei von Innenminister Salvini erlebt indes nach Umfragewerten ein Rekordhoch.

Bis zu 15 Jahre Haft drohten Kapitänin Carola Rackete, dann wurde der Haftbefehl gegen sie erlassen.

© AFPBis zu 15 Jahre Haft drohten Kapitänin Carola Rackete, dann wurde der Haftbefehl gegen sie erlassen.



Rom – Eine am Freitag geplante Messe für Sea-Watch-Kapitänin Carola Rackete im norditalienischen Pieve Porto Morone bei Padua ist nach Protesten abgesagt worden. Zu dem Gottesdienst hatte der 43-jährige Pfarrer der Ortschaft in der Diözese Padua aufgerufen. Seine Initiative hatte eine Polemik ausgelöst, daraufhin wurde die Messe abgesagt.

Die Messe sei „für Carola Rackete und alle mutigen Frauen und Männer“ gedacht, die „das Gesetz Gottes über das Gesetz der Menschen stellen“, schrieb der Pfarrer. Auch die Justizbehörden hätten beschlossen, dass sich Rackete legal verhalten habe, als sie ein Schiff mit 40 Migranten an Bord trotz Verbots der italienischen Behörden nach Lampedusa geführt hatte, argumentierte der Priester.

Salvini: „Auswirkung der Hitze?“

Die Initiative des Pfarrers wurde von Innenminister Matteo Salvini kritisiert, der seit seinem Amtsantritt vor 13 Monaten einen harten Anti-Migrationskurs führt. „Ein Pfarrer plant eine Messe für die mutige deutsche Piratin Carola. Ist das die Auswirkung der Hitze?“, fragte Salvini auf Facebook. Auch andere Lega-Politiker hatten sich kritisch über die geplante Messe geäußert. Unter dem Druck heftiger Polemik beschloss der Pfarrer, auf die Messe für Rackete zu verzichten.

Mitte Juni hatte das NGO-Schiff „Sea-Watch 3“ mehrere Migranten im Mittelmeer gerettet. Diese befanden sich mehr als zwei Wochen auf dem Meer, bis die Kapitänin Rackete entschieden hatte, ohne Erlaubnis der Regierung in Rom in italienische Gewässer und in den Hafen von Lampedusa zu fahren. Rackete war deshalb festgenommen worden, ist mittlerweile aber wieder frei. In Italien werden ihr Beihilfe zur illegalen Einwanderung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gegen ein Kriegsschiff vorgeworfen.

Die Auseindersetzung mit NGOs beschert Salvinis Lega derzeit ein Rekordhoch.
Die Auseindersetzung mit NGOs beschert Salvinis Lega derzeit ein Rekordhoch.
- AFP

Lega auf Rekordhoch

Die heftige Polemik und neue Migrantenkrise mit der Auseineindersetzung mit NGOs scheint Salvini und seiner Partei indes zu beflügeln. Die Regierungspartei Lega erreichte ein Popularitätshoch von 37,5 Prozent, wie aus einer neu veröffentlichten Umfrage der Mailänder Wirtschaftszeitung Sole 24 Ore hervorgeht.

Laut der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts SWG hat die Lega vergangene Woche – am Höhepunkt der Auseinandersetzung mit Kapitänin Rackete – sogar ein Rekordhoch von 38 Prozent erreicht. Das sind vier Prozentpunkte mehr als bei den EU-Parlamentswahlen am 26. Mai, aus denen die Lega als stärkste italienische Einzelpartei hervorgegangen war.

„Die Lega ist bei weitem Italiens stärkste Einzelpartei mit 15 Prozentpunkten Vorsprung gegenüber der Demokratischen Partei (PD)“, so der SWG-Meinungsforschungsexperte Enzo Risso.

Der Koalitionspartner der Lega, die Fünf-Sterne-Bewegung, muss sich laut Umfrage mit 17,4 Prozent und Platz drei begnügen. Die Fünf-Sterne-Bewegung war bei den italienischen Parlamentswahlen im März 2018 mit 32 Prozent als stärkste Partei hervorgegangen, hat jedoch in diesem Jahr in der Regierung stark an Popularität zugunsten der Lega eingebüßt.

Salvini setzt seit einem Jahr seine Politik der „geschlossenen Häfen“ durch. Die Zahl der Migrantenankünfte brach um 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Den bei der Flüchtlingsrettung engagierten NGOs sagte Salvini einen unerbittlichen Kampf an. Zwei Mal trotzten NGO-Schiffe in den vergangenen Tagen jedoch Italiens Verbot und brachten Migranten nach Lampedusa. (APA/TT.com)