Letztes Update am Mi, 21.08.2019 10:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Brexit-Drama

Ungeregelter Brexit rückt näher: Was das für Folgen hätte

Die britische Regierung steuert einem ungeregelten Austritt aus der EU entgegen. Die Folgen wären zahlreich: Für Unternehmen, aber auch direkt spürbar für Verbraucher – etwa bei den Roaming-Gebühren.

Ein als Boris-Johnson-Clown verkleideter Demonstrant in London.

© AFPEin als Boris-Johnson-Clown verkleideter Demonstrant in London.



London – Am 31. Oktober soll Großbritannien die Europäische Union verlassen. An diesem Termin will der britische Premierminister Boris Johnson festhalten – selbst wenn es bis dahin keinen Vertrag mit der EU gibt und es zu einem No-Deal-Brexit kommt.

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Die Regierung in London stellt sich bereits auf einen ungeregelten EU-Austritt ein, wie die Zeitung The Sunday Times berichtete. Ein Überblick über erwartete Folgen:

Verzögerungen an den Grenzen

Die EU will bei einem Brexit ohne Vertrag an den Grenzen zu Großbritannien sofort mit Zollkontrollen, Inspektionen zur Lebensmittelsicherheit und der Überprüfung von EU-Standards beginnen. London befürchtet große Verzögerungen an den Grenzübergängen – besonders in Dover. 85 Prozent der Lastwagen seien vermutlich nicht ausreichend auf die französischen Zollkontrollen vorbereitet, und die Abfertigung könne mehrere Tage dauern, heißt es in einem internen Regierungsbericht mit dem Namen „Yellowhammer“, aus dem die Sunday Times vergangenen Sonntag zitierte.

Engpässe bei Lebensmitteln, Benzin und Medikamenten

Lebensmittel, Treibstoff und Medikamente werden laut dem Bericht knapp. 28 Prozent der in Großbritannien verkauften Nahrung wird aus der EU importiert. Große Supermarktketten warnten, die Regale könnten leer bleiben. Auch bei der Trinkwasserversorgung sind laut dem Dokument Engpässe zu erwarten, die „hunderttausende Menschen“ betreffen könnten. Großbritannien wird die Europäische Arzneimittel-Agentur verlassen, aber übergangsweise die europäischen Zulassungen weiter anerkennen, um die Versorgung mit Medikamenten nicht zusätzlich zu erschweren.

Verspätungen bei Flügen und Zügen

Brüssel hat sich mit London darauf verständigt, dass Flüge aus Großbritannien in die 27 EU-Staaten bis März nächsten Jahres wie bisher stattfinden können. Auch der Zugverkehr im Tunnel unter dem Ärmelkanal kann drei Monate wie gewohnt weiterlaufen. Dennoch rechnet die Regierung dem Bericht zufolge mit Verzögerungen an Flughäfen und am Eurostar-Bahnhof in London.

Beschränkter Aufenthalt in der EU

3,5 Millionen EU-Bürger leben in Großbritannien, mehr als eine Million Briten in anderen EU-Staaten. Der Schutz ihrer Rechte ist ein zentraler Bestandteil des ursprünglich mit der EU ausverhandelten Brexit-Vertrages. Etwa 800.000 EU-Bürger haben bereits einen neuen Aufenthaltstitel für Großbritannien erhalten. Ohne Abkommen müssen Briten bei Reisen in die EU mit schärferen Kontrollen rechnen. Außerdem ist der Aufenthalt auf 90 Tage beschränkt.

Unternehmen schlecht vorbereitet

Britische Unternehmen sind laut dem Bericht schlecht auf einen ungeregelten Brexit vorbereitet. Die Confederation of British Industry, der wichtigste Arbeitgeberverband, warnte, dass es für Händler gerade im Vorweihnachtsgeschäft schwierig werden könnte, ihre Lager zu füllen.

Telefonieren und Bankgeschäfte werden teurer

Bisher ist die Nutzung des Handy-Netzes im EU-Ausland kostenlos. Bei einem No-Deal-Brexit fallen bei Reisen nach Großbritannien wieder Roaminggebühren an. Auch beim Einsatz von Bankkarten zum Bezahlen jenseits des Ärmelkanals entstehen höhere Kosten. Viele britische Banken haben Tochtergesellschaften in EU-Ländern gegründet, um einen reibungslosen Ablauf der Geschäfte sicherzustellen. (APA, AFP)