Letztes Update am Sa, 31.08.2019 11:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Jan Böhmermann angeblich SPD-Mitglied, Sprecher dementiert

Ist er nun SPD-Mitglied oder nicht? TV-Komiker Böhmermann sieht sich bereits als Teil der traditionsreichsten deutschen Partei. Doch bis zur Bewerbung um den SPD-Vorsitz ist es noch ein weiter Weg – bei ganz wenig Zeit.

TV-Satiriker Jan Böhmernann.

© APA/dpa/Sven HoppeTV-Satiriker Jan Böhmernann.



Berlin — Der TV-Satiriker Jan Böhmermann hat nach eigenen Worten die SPD-Mitgliedschaft in Köthen (Sachsen-Anhalt) erhalten — der SPD-Landesverband allerdings widerspricht. „Ich danke meinem neuen Ortsverein Köthen für die schnelle und skrupellose Bestätigung meiner Mitgliedschaft in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands", schrieb der 38-Jährige am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter."

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Der #Neustart19 der deutschen Sozialdemokratie geht von Sachsen-Anhalt aus!", fügte Böhmermann hinzu mit Blick auf seine am Donnerstagabend erstmals öffentlich geäußerten Ambitionen, sich in letzter Minute vor Bewerbungsschluss um den SPD-Vorsitz zu bewerben.

Aufnahme derzeit unwirksam

Der Sprecher der SPD Sachsen-Anhalt, Martin Krems-Möbbeck, bestätigte zwar, dass Böhmermann aufgenommen wurde. Er erklärte jedoch, dass dies formal nicht ausreiche, weil Böhmermann nicht in Köthen wohne. Es gebe zwar Ausnahmemöglichkeiten, wenn beide Kreisverbände — also in diesem Fall Köthen und der Kreisverband des Heimatortes — beteiligt seien. Nach bisherigem Kenntnisstand seien die zuständigen Sozialdemokraten an Böhmermanns Heimatort Köln aber nicht involviert gewesen. „Deswegen ist die Aufnahme derzeit unwirksam."

Der Komiker hatte am Donnerstagabend seine Kampagne #neustart19 begonnen. Kritiker zweifeln allerdings an der Ernsthaftigkeit der Aktion. Selbst wenn Böhmermann Mitglied sein sollte, hat er noch einige Hürden auf dem Weg zum SPD-Vorsitz zu überwinden: Förmliche Voraussetzung einer Kandidatur ist die Unterstützung von mindestens fünf Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband. Die Abgabefrist für Bewerbungen um den SPD-Vorsitz — bevorzugt als Doppelspitze von Mann und Frau — läuft am Sonntag um 18 Uhr ab.

„Jetzt geht es weiter: Wir brauchen eine mehr oder weniger qualifizierte Mitkandidatin (...) und dann noch die formell gültige Unterstützung der 5 Unterbezirke", schrieb Böhmermann daher am Samstag. Der in der SPD gut vernetzte frühere Sprecher des Parteivorstands, Tobias Dünow, der schon am Freitag mit Vorwürfen auf Böhmermanns Vorstoß reagiert hatte, konterte am Vormittag: „Der übernächste Akt ist so absehbar: Böhmermann wird sich über Partei-Bürokraten empören, die kurz vor dem Untergang noch auf die Statuten verweisen. Und ganz Twitter wird lachen."

Böhmermann hatte am Donnerstagabend in seiner Sendung „Neo Magazin Royale" (ZDFneo) erstmals erklärt: „Ich, Jan Böhmermann, möchte Vorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands werden." Der Satiriker fügte später hinzu: „Ich bin Demokrat. Wenn ich jemanden sehe, der so derart am Boden liegt — egal ob das jetzt ein Penner ist, der im Kontoauszugsraum bei der Deutschen Bank liegt, besoffen in der Kälte — dann hole ich den natürlich da raus und rufe einen Krankenwagen. Das ist so meine DNA. Und so bin ich natürlich auch im Politischen." Einige SPD-Politiker reagierten im Netz mit humorvollen Kommentaren — zugleich löste der Vorstoß in der Partei, die seit Monaten in einer Krise steckt, aber auch viel Unmut aus.

Bisher Unterstützung für sieben Kandidatenduos

Der SPD-Wahlvorstand hat bisher bei sieben Kandidatenduos die nötige Unterstützung anerkannt. Dies sind: Finanzminister Olaf Scholz und die Brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz; Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping; Europa-Staatsminister Michael Roth und die nordrhein-westfälische Ex-Familienministerin Christina Kampmann; die Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer; die Vorsitzende der SPD-Grundwertekommission, Gesine Schwan, und der stellvertretende Parteivorsitzende Ralf Stegner; Flensburgs Oberbürgermeisterin Simone Lange und Alexander Ahrens; die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis und der Verdi-Chefökonom Dierk Hirschel. (APA/dpa)