Letztes Update am So, 06.10.2019 09:44

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Seehofer warnt vor höheren Flüchtlingszahlen als 2015

Der deutsche Innenminister fordert angesichts steigender Ankünfte in Griechenland zu mehr Hilfe für die Türkei auf. Man müsse alle Hebel in Bewegung setzen, damit sich eine Flüchtlingswelle wie vor vier Jahren nicht wiederhole.

Der deutsche Innenminister Horst Seehofer (r.) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem türkischen Amtskollegen Suleyman Soylu vergangenen Donnerstag in Ankara.

© AFPDer deutsche Innenminister Horst Seehofer (r.) bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem türkischen Amtskollegen Suleyman Soylu vergangenen Donnerstag in Ankara.



Berlin – Der deutsche Innenminister Horst Seehofer hat angesichts steigenden Ankünften auf den griechischen Inseln vor höheren Flüchtlingszahlen als im Jahr 2015 gewarnt. „Wir müssen unseren europäischen Partnern bei den Kontrollen an den EU-Außengrenzen mehr helfen. Wir haben sie zu lange alleine gelassen“, sagte Seehofer der Bild am Sonntag.

„Wenn wir das nicht machen, werden wir eine Flüchtlingswelle wie 2015 erleben – vielleicht sogar noch eine größere als vor vier Jahren.“ Er werde gemeinsam mit der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen „alles dazu beitragen, dass sich das nicht wiederholt“, sagte Seehofer weiter. Dazu habe er „die volle Unterstützung der deutschen Bundeskanzlerin“.

Seehofer fordert mehr Unterstützung für Türkei

Zudem forderte Seehofer die Mitgliedsstaaten der EU auf, mehr für die Türkei zu tun. „Die Türkei leistet bei der Aufnahme von Flüchtlingen sehr viel. Das liegt auch in unserem Interesse. Darüber hinaus ist klar, dass wir nicht mit den Mitteln der Vergangenheit die Zukunft bewältigen können. Deswegen will ich die Zusammenarbeit mit der Türkei weiter stärken“, sagte er der Welt am Sonntag.

Auf die Frage, wie viel Geld Ankara über die sechs Milliarden hinaus erhalten soll, die die EU im Rahmen des Flüchtlingspakts von 2016 zu zahlen versprochen hat, sagte Seehofer: „Diese Entscheidung kann ich als deutscher Innenminister nicht allein treffen. Wir werden dazu auf europäischer Ebene Gespräche führen müssen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Leistung der Türkei, die in unser aller Interesse liegt, angemessen berücksichtigt wird.“

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Zentrale Mittelmeer-Route: Deutschland nimmt ein Viertel auf

Seehofer war am Donnerstag und Freitag in die Türkei und nach Griechenland gereist. Dort führte er gemeinsam mit EU-Migrationskommissar Dimitris Avramopoulos Gespräche mit Regierungsvertretern. Er sagte Ankara und Athen deutsche Unterstützung im Umgang mit Flüchtlingen und beim Grenzschutz zu.

Avramopoulos hat Kritik an Seehofer wegen der Aufnahme von Bootsflüchtlingen zurückgewiesen. Seehofer hatte zugesagt, dass Deutschland bis auf weiteres ein Viertel aller im zentralen Mittelmeer Geretteten aufnimmt. Einige Unionspolitiker und die FDP hatten dies kritisiert, weil eine Aufnahmegarantie Anziehungskraft für weitere Migranten entwickeln könne. (TT.com, APA/AFP)