Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 27.09.2016


Lern- und Arbeitsmittel

Laptops für Schule: Eltern befürchten hohe Kosten

Ein Schreiben des Bundes erzürnt die Elternvertreter. Das Ministerium spricht von „einem Missverständnis“.

Elternvertreter fürchten, dass auf die Erziehungsberechtigten hohe Kosten zukommen könnten.

© Elternvertreter fürchten, dass auf die Erziehungsberechtigten hohe Kosten zukommen könnten.



Innsbruck – Die zweite Seit­e des Rundschreibens des Bildungs­ministeriums an die Schulen hat es in sich: „Lernmittel benötigen die Schüler zur Erfüllung ihrer Pflichten und stehen in deren Eigentum. Dazu zählen u. a. Hefte, Füllfeder, Zirkel, Taschenrechner, Laptop, Tablett-PC u. Ä.“, steht darin. Und weiter: „Grundsätzlich sind diese Lern- und Arbeitsmittel von den Schülern bzw. Erziehungsberechtigten bereitzustellen bzw. zu beschaffen.“ Nach dem Hinweis der Tiroler Vertreter gingen am Wochenende bei einer Sitzung des Bundeselternverbandes die Wogen hoch und man wittert dort jetzt einen „Globalanschlag auf die Finanzen der Eltern“.

Der Bundeselternverband für mittlere und höhere Schulen warnte deshalb gestern in einer Aussendung, dass künftig „Hunderte Millionen“ an Kosten für den Schulbesuch auf die Eltern abgewälzt werden sollen. „Mit dieser Festlegung ist die Schulgeldfreiheit de facto abgeschafft“, so der Sprecher des Bundeselternverbands, Gernot Schreyer. „Insbesondere im Hinblick auf sozial schwache Familien und Alleinerziehende erscheint es besonders zynisch, derartig hohe Zusatzausgaben verpflichtend zu machen.“

Im Ministerium sah man auf Anfrage der APA ein Missverständnis der Elternvertreter: Das Rundschreiben sehe nämlich keinerlei Verpflichtung vor, dass Eltern Laptops oder Tablet-PCs anschaffen müssen. Es handle sich nur um eine Aufführung, welche Kosten die Schule übernimmt (etwa Bücher) und welche die Eltern zu tragen haben (etwa Füllfeder, Taschenrechner, Laptop). Die Schule zahle nicht für einen Laptop, es müsse aber auch niemand einen kaufen. Ausnahme sei eine reine Laptop-Klasse. Dieser Form des Unterrichts und damit dem Kauf eines Computers müssen allerdings davor alle Eltern zustimmen.

Tirols Elternvertreter Peter Retter sah darin ein „unbeholfenes“ Zurückrudern des Ministeriums. Der Text des Ministeriums sei „glasklar formuliert“. Bisher sind auch schon private Geräte im Einsatz, ihr Ankauf musste aber im Schulgemeinschaftsausschuss beraten werden. Das sei jetzt alleine den Schulen überlassen. (APA, mw)


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