Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 08.11.2017


Innenpolitik

„Wir brauchen keinen Weichspüler“

AK-Chef Kaske zieht sich zurück. Wer ihm folgt, steht noch nicht fest. Aber ein Anforderungsprofil gibt es.

© APARudolf Kaske verlässt mit Ende April aus privaten Gründen die Spitze der Arbeiterkammer.Foto: APA/Hochmuth



Von Serdar Sahin

Wien – Die Verjüngung an der Spitze der Sozialpartner geht zügig voran. Nach dem angekündigten Wechsel auf Arbeitgeberseite sind nun die Arbeitnehmer dran. Rudolf Kaske, Präsident der Arbeiterkammer (AK), geht mit Ende April. Sein Rückzug „nach 48 Berufsjahren“ habe ausschließlich private Gründe, sagt Kaske. „Meine Frau braucht mich jetzt“, sie sei sehr krank, erklärt der 62-Jährige.

„Mein Abgang findet weder überhastet noch fluchtartig statt.“ Er wolle sein Amt im Frühling geordnet übergeben. Wer ihm nachfolgen wird, sagt Kaske nicht. ÖGB-Chef Wolfgang Katzian sei nun beauftragt, Gespräche zu führen und entsprechende Weichen zu stellen. Kaske glaubt, dass sein Nachfolger bis Ende März feststehen wird.

Katzian selbst hält sich auf TT-Anfrage auch bedeckt. „Da gibt es ganz viele, die in Frage kommen.“ Es müsse aber jemand sein, „der mit viel Herzblut für die Interessen der Arbeitnehmer eintritt“. Verhandlungserfahrung würde auch nicht schaden, befindet Katzian.

Angesichts des rauen Windes, der den Arbeitnehmervertretern vonseiten einer möglichen schwarz-blauen Regierung entgegenwehen könnte, formuliert es Baugewerkschafter Josef Mu­chitsch so: „Wir brauchen in den nächsten Jahren keinen Weichspüler, sondern einen kantigen und sachpolitisch fundierten Nachfolger.“

Einen Generationswechsel hat es vergangene Woche bereits an der Spitze des Wirtschaftsbundes gegeben. Der langjährige Präsident Christoph Leitl hat seinen Posten an ÖVP-Wirtschaftsminister Harald Mahrer übergeben. Dieser wird wohl Leitl zudem als Präsident der Wirtschaftskammer ablösen.

Auch im Gewerkschaftsbund rüstet man sich für die Nachfolge von Präsident Erich Foglar. Die Amtszeit des ÖGB-Chefs endet 2018. Der Gewerkschaftsboss selbst will nicht jetzt über einen Nachfolger sprechen, „sondern wenn es so weit ist“.