Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 24.12.2017


Neue Regierung

Die besten Köpfe für die Minister-Kabinette

In den Büros der Minister und im Bundeskanzleramt wartet massig Arbeit auf die Mitarbeiter. Auch viele Tiroler sind darunter.

Johannes Frischmann (Umhausen) und Etienne Berchtold (Innsbruck, v. r.) sprechen auch weiterhin für Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).

© Jakob GlaserJohannes Frischmann (Umhausen) und Etienne Berchtold (Innsbruck, v. r.) sprechen auch weiterhin für Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP).



Von Carmen Baumgartner-Pötz

Wien – Seit Anfang der Woche ist die neue Regierung im Amt und mit Ausnahme von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sind in den Ministerbüros der Republik überall Regierungsneulinge eingezogen. Doch ein Minister braucht auch ein Kabinett, seinen engsten Stab – und für diese Ministerbüros läuft derzeit teilweise noch die Rekrutierung. Komplett besetzt dürften die Kabinette wohl erst Mitte Jänner sein: Auch vor der heimischen Innenpolitik macht die Ruhephase zum Ende des alten und zu Beginn des neuen Jahres nicht Halt, den vielen Feiertagen sei Dank.

Bereits jetzt ist aber klar, dass sich unter den zahlreichen Kabinettsmitarbeitern einige Tirolerinnen und Tiroler befinden. Im Wortsinn an der Spitze angekommen sind die Kanzlersprecher Johannes Frischmann aus Umhausen im Ötztal und Etienne Berchtold, Diplomat und gebürtiger Innsbrucker. Letztgenannter war schon an Sebastian Kurz’ Seite, als dieser noch Außenminister war, beide standen im Wahlkampf im Dauer­einsatz – und sind jetzt ins Bundeskanzleramt miteingezogen, 24-Stunden-Erreichbarkeit inklusive. Jochen Prüller hingegen, der mit Elisabeth Köstinger (ÖVP) als Pressesprecher ins Nationalratspräsidium mitgegangen war, hat mit deren Weggang ins Land­wirtschaftsministerium zurück in die Bundespartei gewechselt und spricht für Kurz in dessen Funktio­n als Parteiobmann: drei Tiroler also an vorderster Medienfront für den Kanzler.

Bei der Kurzzeit-Nationalratspräsidentin Köstinger ist wiederum vieles neu. Dabei gibt es sogar eine familiäre Verbindung zu ihrem Vorgänger Andrä Rupprechter im Landwirtschaftsministerium: Kathrin Völk, stellvertretende Kabinettschefin, ist Rupprechters Schwägerin. Sie war freilich bereits Köstingers Mitarbeiterin, als diese noch EU-Parlamentarierin in Brüssel war und auch im Parlamentspräsidium für wenige Wochen im Büro der Kärntnerin. Weitere Fachreferenten aus Tirol im Kabinett der neue­n Ministerin: Vera Regensburger aus Landeck und Martin Hassl aus Grinzens, über dessen Entsendung der Tiroler Wirtschaftsbund jubelt. Er kümmert sich um die Tourismusagenden. Landesobmann Franz Hörl spricht in diesem Zusammenhang von einer „guten Kaderschmiede Wirtschaftsbund“ und freut sich, dass mit Hassl ein Tiroler für das wichtige Thema zuständig ist.

Rupprechters Kabinettschef Michael Esterl, ein Steirer, wanderte mit dem Abgang des Brandenbergers zur neuen Tiroler Ministerin und ist jetzt Kabinettschef von Margarethe Schramböck, zuständig für Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung. Bei ihr ist auch Stephan Wiener gelandet, der davor ebenfalls mit Rupprechter zu tun hatte: bis Ende 2016 in dessen Kabinett und nach einem kurzen Intermezzo am Bundesverwaltungsgericht (wo er sich karenzieren ließ) im Ständigen Sekretariat der Alpenkonvention.

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Im Finanzministerium bleibt der Westendorfer Thomas Schmid Generalsekretär und Kabinettschef.

In der Rossauer Kaserne am Wiener Donaukanal, wo mittlerweile der Steirer Mario Kunasek (FPÖ) als Verteidigungsminister das Sagen hat, ist Oberst des Generalstabsdienstes Ingo Gstrein im Kabinett – dort war der Imster auch schon unter Kunaseks Vorgänger Hans Peter Doskozil (SPÖ). Abgesehen von Gstrein gibt es bei den Freiheitlichen – zum jetzigen Zeitpunkt – keine Tiroler in den Kabinettsbüros, wie FPÖ-Tirol-Chef Markus Abwerzger der TT bestätigte. Wichtiger sei, gute Personen zu nominieren, und da sei Tirol gut vernetzt.

Kabinettsmitarbeiter sind mittendrin in den Vorzimmern der Macht. Ihr Job inkludiert viele Termine und Überstunden, familienfreundlich ist er eher nicht. Dafür bekommt man in den intensiven Jahren in einem Ministerbüro sehr viel Fachwissen mit, weil man an der Seite der Minister bei Verhandlungen dabei ist. Für viele ist der Job ein Karrieresprungbrett.


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