Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 27.12.2017


Innenpolitik

Kira Grünberg: Plötzlich Politikerin

Kira Grünberg (ÖVP) steht seit dem Wahlkampf unter besonderer Beobachtung.

© GEORG HOCHMUTHKira Grünberg (24) bei der konstituierenden Sitzung des Parlaments. Die Kematerin soll Behindertensprecherin der ÖVP werden.



Von Carmen Baumgartner-Pötz

Kematen – Kira Grünberg ist erst 24 Jahre alt – und doch lebt sie bereits ihr zweites Leben: das einer Politikerin unter medialer und öffentlicher Beobachtung – mit all seinen Schattenseiten. Ihr erstes Leben, das einer Spitzensportlerin (Stabhochsprung), nahm am 30. Juli 2015 ein jähes Ende. Bei einem Trainingssprung kam Grünberg schwer zu Sturz und zog sich einen Bruch des fünften Wirbels der Halswirbelsäule zu. Seither ist sie querschnittgelähmt, auch ihre Arme sind nur teilweise mobil. Erst in der Woche vor Weihnachten war Grünberg zu Besuch in den USA bei einem Querschnittspezialisten, bei der Vorstellung der neuen Regierung im Parlament fehlte sie deshalb. In der Öffentlichkeit gilt die Kematerin als Musterbeispiel dafür, wie man in einer schwierigen Situation wachsen kann.

Das ist auch Sebastian Kurz nicht entgangen. Als er die frühere Stabhochspringerin Ende Juli als Kandidatin für den Nationalrat vorstellte, erklärte er, von ihrer „extrem positiven Lebenseinstellung beeindruckt“ gewesen zu sein. Der Rest ist bekannt: Grünberg kandidierte auf Platz zehn der Bundesliste und führte auch noch die Landesliste in Tirol an (was nicht bei allen Beteiligten für Begeisterung sorgte) – der Einzug in den Nationalrat war ihr also von Anfang an sicher. Nach der Präsentation ihrer Kandidatur, bis zum Wahltag, wurde es dann still um die junge Nachwuchspolitikerin. Im November machte sie Schlagzeilen, als Testimonial für Opel. Der Autohersteller wollte ihr einen neuen, für sie adaptierten Insignia im Wert von 40.000 Euro schenken. Eine Diskussion entbrannte. Nach tagelangem Hin und Her gab Grünberg bekannt, dass sie den Opel zu marktüblichen Konditionen kaufen werde – somit ließ der ÖVP-Ethik-Rat von einer Prüfung ihres Falls ab. Kein leichter Start ins Politikerleben für die junge Tirolerin also.

Die Angelobungssitzung hat Grünberg als „sehr imposant“ erlebt, wie sie der TT erzählte. Wie viel „Gewusel“ im Parlament herrscht, abseits von dem, was die Fernsehkameras einfangen, habe sie doch überrascht. Dass Grünberg Evelyn Pammer zur Seite gestellt bekommen hat, die schon parlamentarische Mitarbeiterin des langjährigen ÖVP-Behindertensprechers Franz-Joseph Huainigg war, sei für sie nun „ein Lottosechser“, streut die Tirolerin Pammer Rosen. Denn inhaltlich müsse sie sich erst einarbeiten. Als individuelles Ziel für die Legislaturperiode hat sich Grünberg vorgenommen, sich für ein flächendeckendes System der persönlichen Assistenz für Menschen mit Behinderung einzusetzen. Tirol könne diesbezüglich als Vorbild dienen.