Letztes Update am Fr, 26.01.2018 14:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Causa Landbauer

Strache dementiert Teilnahme an Germania-Fest

Der FPÖ-Chef beharrt darauf, „nachweislich“ bei einer Ehrung des Pennälerrings gewesen zu sein, nicht bei jener der Germania, deren NS-Liederbuch seinen Parteifreund Udo Landbauer in Bedrängnis bringt.

© APAVizekanzler Strache versucht, nicht in Verbindung mit der Germania zu Wiener Neustadt gebracht zu werden.



Wien – Die Versuche der FPÖ-Spitze, sich von der in Verruf geratenen Burschenschaft Germania zu Wiener Neustadt zu distanzieren, wirken mitunter skurril: Vizekanzler Heinz-Christian Strache hatte sich Donnerstagabend darüber empört, dass ihm Medien unterstellt haben, er sei im Vorjahr beim 100. Stiftungsfest der Germania gewesen: „Ich war nachweislich weder beim abendlichen 100. Stiftungsfest der Germania, noch habe ich jemals ein Ehrenband der Germania erhalten. Eine glatte Unwahrheit und Lüge“, postete Strache auf Facebook. Er habe nur an einer Sitzung des Pennälerrings teil genommen.

Germania-Fest im Rahmen der ÖPR-Jahreshauptversammlung

Es ist zwar richtig, dass Strache nicht beim abendlichen Fest dabei war. Richtig ist aber auch, dass das Stiftungsfest der Germania im Rahmen des Burschentags des Pennälerrings bzw. der ÖPR-Burschentag anlässlich der 100. Jahrfeier in Wiener Neustadt bei der Germania stattfand. Aus Postings in Internet, die der APA vorliegen, aber mittlerweile gelöscht wurden, geht hervor, dass die Veranstaltung Freitagabend, dem 2. Juni begonnen und am Sonntagvormittag geendet hat. Strache war laut dem Vizeobmann der Germania, Philip Wenninger, bei einer Sitzung des ÖPR Samstagnachmittag anwesend, nicht aber beim Fest Samstagabend.

Die Geschichte wurde vom deutschen Spiegel aufgegriffen. Dieser hat auch berichtet, dass Strache ein Ehrenband der Germania erhalten habe. Sowohl Strache als ÖPR-Vorsitzender Udo Guggenbichler bezeichneten das als Lüge. Strache habe auf der Jahreshauptversammlung des Österreichischen Pennälerrings, welche vor dem Germanen-Jubiläum stattfand, das Ehrenband des Österreichischen Pennälerringes erhalten, sagte Guggenbichler am Freitag. Nach der Verleihung habe der FPÖ-Chef den Tagungsort Richtung Steiermark zu Terminen verlassen, so Guggenbichler, der rechtliche Schritte gegen Medien und Journalisten, die „auf abscheuliche Weise gegen den Vizekanzler hetzen“, ergreifen will.

Moser versichert Unabhängigkeit der Justiz

Was die Causa Landbauer angeht, versicherte Justizminister Josef Moser (ÖVP), dass die Justiz frei von politischer Einflussnahme vorgehe: „Das garantiere ich Ihnen zu tausend Prozent, weil da geht es um Vertrauen, da geht es um Rechtstaatlichkeit“, sagte Moser am Freitag vor einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Sofia.

Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) hatte am Donnerstag mit einer Aussage für Aufregung gesorgt, wonach er Ermittlungen gegen den niederösterreichischen FPÖ-Spitzenkandidaten Udo Landbauer angesichts der Vorwürfe gegen die Germania für ausgeschlossen halte. Später fühlte sich Kickl missinterpretiert.

Justizminister Moser konzedierte, „dass das absolut widerwärtig ist, was da stattgefunden hat, dass das rassistisch ist, dass das etwas ist, was untragbar ist“. Aus diesem Grund habe auch die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. „Es sind Hausdurchsuchungen durchgeführt worden, heute finden bereits die ersten Einvernahmen statt. Da ist mit aller Akribie vorzugehen, um solche Vorfälle in Zukunft nicht mehr stattfinden lassen.“ Entscheidend sei, dass die Verantwortlichen ausgeforscht werden und die nötigen Maßnahmen gesetzt würden. (TT.com, APA)


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