Letztes Update am Mi, 31.01.2018 14:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Neue Regierung

Gerücht um FM4-Schließung: „Einstellung theoretisch denkbar“

Der österreichische Jugend- bzw. Spartensender FM4 könnte von der türkis-blauen Regierung 2019 abgeschaltet werden. Der ORF dementiert. Ein freiheitlicher Stiftungsrat kündigte eine ORF-Enquete an.

© Manfred Werner - Tsui(Symbolfoto)



Wien — Steht der Radiosender FM4 vor dem Aus? Wie der Falter am Mittwoch in seiner Online-Ausgabe berichtet, steht das Ende des Jugendsenders möglicherweise 2019 bevor. „Am Freitag wurde im ORF am Küniglberg ein außerordentlicher Lenkungsausschuss einberufen. Ursprüngliches Thema: Einbau von Studios am Küniglberg für FM4 sowie die komplette Umsiedlung des Senders. Im Zuge dessen wurden die Maßnahmen infrage gestellt, da laut Regierung FM4 2019 eingestellt werden soll. Offizielle Begründung: Nichterfüllung des Bildungsauftrags. Teilnehmer unter anderem Wrabetz, Pius Strobl, Monika Eigensperger", zitiert der Falter eine vertrauliche Information.

Im ORF reagierte man gelassen auf die Meldungen. Laut dem Stadtmagazin dementierten ORF-Manager Pius Strobl, Radio-Chefin Monika Eigensperger und Wrabetz-Sprecher Martin Biedermann die Abschalt-Gerüchte auf Nachfrage. "Uns ist von diesbezüglichen Plänen nichts bekannt", sagte Kommunikationschef Martin Biedermann. Begehrlichkeiten auf eine ORF-Senderkette gibt es schon seit längerem von Privatradios wie etwa dem von der "Kronen Zeitung" betriebenen Kronehit oder Wolfgang Fellners Ö24.

"Einstellung von Sendern rein theoretisch denkbar"

Hintergrund der Spekulationen um ein mögliches Aus für den alternativen und kritischen Jugendsender dürften die jüngsten FPÖ-Attacken auf den ORF sein. FPÖ-Mediensprecher Hans-Jörg Jenewein deckte den ORF zuletzt mit Aussendungen ein. Neben bekannten ORF-Journalisten nahm Jenewein dabei auch den Instagram-Auftritt von FM4 ins Visier.

FPÖ-Stiftungsrat Norbert Steger erklärte am Mittwoch gegenüber der Tageszeitung "Die Presse", dass die kolportierten Gerüchte "von der linken Seite hochgespielt" würden. Zu einem klaren Dementi konnte sich Steger allerdings nicht durchringen. "In der Regierungserklärung ist ausgemacht, dass kein Sender verkauft wird. Aber es gibt keine Vereinbarung, dass alle Sender bestehen bleiben", so Steger.

"Eine Einstellung von Sendern ist rein theoretisch denkbar", ergänzte der blaue Stiftungsrat, der demnächst den Vorsitz im obersten ORF-Gremium übernehmen könnte, gegenüber dem "Standard". Ob FM4 den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllt, weiß Steger laut Falter nicht. „Ich höre FM4 für gewöhnlich nicht."

Medienminister Blümel: "eines von sehr vielen Gerüchten"

Medienminister Gernot Blümel (ÖVP) will sich an Spekulationen über eine kolportierte Einstellung des ORF-Radios FM4 nicht beteiligen. "Das ist eines von sehr vielen Gerüchten, die derzeit zu medienpolitischen Fragen umgehen. Wir wollen uns aber mit medienpolitischen Inhalten, nicht mit Gerüchten ohne Grundlage beschäftigen", hieß es dazu aus seinem Büro.

Blümel bereitet derzeit eine Medienenquete vor, "um einen echten medienpolitischen Diskurs in Österreich zu starten". Stattfinden soll diese Expertentagung, bei der es auch um den ORF und eine mögliche Reform des öffentlich-rechtlichen Senders gehen wird, im Frühjahr. "Bis dahin wird es wohl immer wieder unterschiedliche Spekulationen von verschiedenen Seiten geben. Daran werden wir uns nicht beteiligen", sagte eine Sprecherin von Blümel der APA.

Im Internet haben sich unterdessen unter dem Hashtag #safeFM4 erste Aktivisten für den Fortbestand des Senders organisiert und sammeln Unterschriften zur Rettung des Radios (http://bit.ly/2noznrd). Besorgt reagierten die NEOS. "Finger weg von der Meinungsvielfalt", warnte Mediensprecherin Claudia Gamon. (APA/TT.com)