Letztes Update am Di, 13.02.2018 19:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


FPÖ vs. ORF

Lügen-Posting von Strache: „Massive Grenzüberschreitung“

Die FPÖ intensiviert ihre Kampagne gegen den ORF. Parteichef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache sorgte in der Nacht auf Dienstag mit einem Facebook-Posting für eine weitere Eskalation. Der ORF schaltete einen Anwalt ein, die Redakteure sehen eine „rote Linie überschritten“. Strache bleibt bei seiner „Satire“-Einschätzung.

© REUTERSVizekanzler Heinz-Christian Strache (FPÖ).



Wien – Der Streit zwischen der FPÖ und dem ORF hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Parteichef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache höchstselbst sorgte in der Nacht auf Dienstag für eine weitere Eskalation: Er postete ein Foto von ORF-Star Armin Wolf, in dem er diesem und dem ORF „Lügen“ vorwarf. Dass er das mit einem Smiley als „Satire“ servierte, tat der Empörung keinen Abbruch. Wolf ist „ehrlich fassungslos“ und kündigte an: „Selbstverständlich werde ich das klagen“.

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Strache teilte den Eintrag auf seiner persönlichen Facebook-Seite, sichtbar für die Öffentlichkeit. Das sogenannte Meme zeigt ZiB2-Moderator Wolf im Nachrichten-Studio, in der Hand ein „Pinocchio“-Bild. Dem ORF-Design und seiner Werbelinie nachempfunden lautet der Text: „Es gibt einen Ort, an dem Lügen zu Nachrichten werden. Das ist der ORF.“ Im Kleingedruckten steht noch zu lesen: „Das Beste aus Fake News, Lügen und Propaganda, Pseudokultur und Zwangsgebühr. Regional und international. Im Fernsehen, im Radio und auf dem Facebook Profil von Armin Wolf.“ Mit „ORF – Wie wirr“ wird der aktuelle Slogan des Öffentlich-rechtlichen verballhornt.

Redakteursrat: „Unter der Würde eines Vizekanzlers“

Der Redakteursrat des ORF reagierte scharf auf das Posting. Dies sei eine „massive Grenzüberschreitung durch ein führendes Mitglied der österreichischen Bundesregierung“ erklärten die Redakteure in einer Aussendung. Sie sehen eine „rote Linie überschritten“.

„Ein Medium und seine Mitarbeiter pauschal als vorsätzliche Verbreiter von Lügen zu diffamieren und diese Aussage mit dem Foto eines bekannten Journalisten zu illustrieren, ist unter der Würde eines Vizekanzlers der Republik Österreich“, so die Redaktionsvertreter. Journalisten seien „keine politischen Gegner, sondern Berichterstatter über Politik“. Gegen sachliche Kritik an ihrer Arbeit sei ist nichts einzuwenden, doch „persönliche Angriffe auf die Reputation und den guten Ruf von Journalisten sind in einer Demokratie aus gutem Grund fehl am Platz.“

Die ORF-Redakteure sehen eine Strategie des „systematischen Beschädigens der beruflichen Reputation von Journalisten“. Somit werde auch die Glaubwürdigkeit unabhängiger Medien untergraben. Es „schadet dem ORF, es schadet dem Ansehen der Politik und es schadet der Demokratie in Österreich, wie ein Repräsentant der Regierungsspitze mit der freien Presse umgeht“, hieß es zum Abschluss.

Wolf: Attacken erreichen „bedenkliches Ausmaß“

Strache stellte das Posting am Dienstag um 0.26 Uhr online. Bis Dienstagmittag war der Post rund 350 mal geteilt worden und hatte hunderte Reaktionen von Usern – die meisten davon zustimmend oder amüsiert.

Ganz und gar nicht lustig fand das Posting hingegen Armin Wolf. „In 32 Jahren als Journalist hat mir noch nie jemand vorgeworfen, ich würde in meiner Arbeit lügen“, so der „Zeit im Bild 2“-Moderator und stellvertretende TV-Chefredakteur. „Ich bin persönlich nicht wehleidig und stelle mich gerne jeder sachlichen Kritik, aber dass der Vizekanzler der Republik ein derartiges Sujet postet, macht mich ehrlich fassungslos.“

Die „Attacken der FPÖ – einer Regierungspartei – auf unabhängige Medien und ihre persönlichen Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten erreichen mittlerweile ein demokratiepolitisch wirklich bedenkliches Ausmaß“, sagte Wolf weiter. Nachsatz: „Und dabei geht es nicht um diese Rechtsfrage, denn dass Herr Strache für dieses Posting verurteilt werden wird, ist ja überhaupt keine Frage.“

Strache verweist auf „Satire“

Strache hielt am Dienstag „ausdrücklich“ fest, sein Vorwurf sei „nicht personenbezogen“ gegen ZiB 2-Moderator Armin Wolf gemeint gewesen. Das schrieb er in einer Aktualisierung des ursprünglichen Postings. Dieses sei „Satire“ gewesen, betonte er einmal mehr - „zugegeben, eine klar ersichtlich überzogene Satire“.

Der FPÖ-Chef distanziert sich aber nicht von dem Posting und nahm den Vorwurf auch nicht zurück. „Es tut mir natürlich leid, wenn Armin Wolf dieses Posting persönlich genommen hat“, schrieb er wörtlich. Er habe mit Wolf gesprochen und ihm mitgeteilt, dass die Statusmeldung „ausdrücklich als Satire-Reaktion auf die Wahlberichterstattung des ORF Tirol gedacht war“.

Das Meme - nach wie vor online - zeigt nicht nur Wolf im Newsroom, sondern nennt den stellvertretenden TV-Chefredakteur auch namentlich, und zwar in diesem Kontext: „Das Beste aus Fake News, Lügen und Propaganda, Pseudokultur und Zwangsgebühr. Regional und international. Im Fernsehen, im Radio und auf dem Facebook Profil von Armin Wolf.“

Inhaltlich bleibt Strache dabei: Das Posting „war und ist Kritik am ORF in Form von überspitzter Satire bezüglich der tendenziösen und manipulativen Berichterstattung in der jüngeren Vergangenheit“.

Seit Wochen attackieren FPÖ-Politiker den ORF – zuerst überwiegend per Aussendungen, neuerdings verstärkt auf Social Media-Kanälen. Zuletzt hatte den Blauen ein Beitrag in „Tirol Heute“ Munition geliefert – TT Online berichtete. Darauf nahm Strache am Dienstag in einem weiteren Facebook-Posting erneut Bezug, dort warf er dem ORF-Landesstudio Tirol „manipulative Methoden“ vor.

ORF schaltete Anwalt ein

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz kündigte am Dienstagnachmittag an, man habe in der Causa einen Anwalt beauftragt. Der ORF verlang von Strache und Facebook die Löschung des „unsäglichen Posts“ und zudem eine Richtigstellung und Entschuldigung des Vizekanzlers. (TT.com, APA)