Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.04.2018


Hintergrund

Das gesteuerte Schweigen der Kira Grünberg

Nicht nur zur Diskussion um die Auflösung der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt AUVA zeigt sich die Nationalratsabgeordnete und Behindertensprecherin der ÖVP sehr schweigsam.

© zeitungsfoto.atFranz Hörl, Kira Grünberg, Günther Platter und Andrä Rupprechter bei der Präsentation der Landesliste für die Kurz-ÖVP in Seefeld.



Von Peter Nindler

Innsbruck – „Es geht ...... nach Hause!! 7 Monate in Bad Häring und mein Dank gilt dem gesamten Team des Reha-Zentrums.“ Das sagte die nach einem Trainingsunfall querschnittgelähmte Stabhochspringerin Kira Grünberg am 10. März 2016. Zwei Jahre später ist sie Nationalratsabgeordnete und Behindertensprecherin der ÖVP. Was sagt die Tirolerin eigentlich zur Diskussion rund um die Allgemeine Unfallversicherungsanstalt AUVA, zu der das bekannte Reha-Zentrum Bad Häring gehört? Schließlich war sie Spitzenkandidatin der Tiroler Volkspartei für die Nationalratswahl 2017.

Politisch ist Grünberg nach dem inszenierten türkisen Kandidaten-Hype vom August jedenfalls von der Bildfläche verschwunden, obwohl die Einarbeitungszeit im Parlament wohl schon längst vorbei ist. Von der Tiroler Volkspartei wird man höflich an den ÖVP-Parlamentsklub in Wien verwiesen und dort darauf, dass ÖVP-Klubobmann August Wöginger zur AUVA ohnehin am Dienstag bereits alles gesagt habe. Außerdem sei „Frau Grünberg in den nächsten Tagen“ leider schwer erreichbar.

Dann geht es plötzlich schnell: Ohne eine spezielle Frage gestellt zu haben, etwa zu Bad Häring, ob Grünberg die Verunsicherung des dortigen Personals verstehen könne oder wie sie die politische Debatte beurteilt, kommt plötzlich eine Mail des Parlamentsklubs „Kira Grünberg zur Tiroler Tageszeitung“: „Es wird im Zuge der Reform der Sozialversicherungen natürlich kein Krankenhaus geschlossen und es wird keine Leistung für Patienten gestrichen. Wir wollen ein effizienteres System und sparen in der Verwaltung. Für die Reform der Sozialversicherungen wird nun ein Prozess und Zeitplan aufgestellt. Dabei wird man mit allen Verantwortlichen und den Ländern rechtzeitig in Gespräche eintreten.“

Auf Nachfrage zu den äußerst allgemein gehaltenen und Bad Häring aussparenden schriftlich verfassten Antworten wird ein persönliches Gespräch mit Kira Grünberg erneut abgelehnt. Weil es leider „zeitliche Verhinderungen von Abgeordneten, insbesondere von Kira Grünberg aufgrund ihrer speziellen Situation“ gebe. Aber schriftliche Fragen könne man gerne, natürlich schriftlich, mit Frau Grünberg abklären, heißt es. Nein, danke auch.

Zurück in der Tiroler Volkspartei: Dort herrscht lediglich Achselzucken. Offenbar hat man sich mit der Situation schon abgefunden. Hinter vorgehaltener Hand spricht man bereits „vom gesteuerten Schweigen“ der Kira Grünberg. Andererseits ist es nicht mehr die Angelegenheit der hiesigen Schwarzen. Ansonsten hätte Landesparteiobmann und Landeshauptmann Günther Platter wohl schon längst ein Machtwort gesprochen. Seit Jänner sitzt Grünberg bekanntlich auf einem Mandat der türkisen Bundes-ÖVP, damit machte sie den Weg für Franz Hörl in den Nationalrat frei.


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