Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.07.2018


Burgenland

Niessl-SP an FP: „So etwas darf nicht mehr passieren“

FPÖ-Landesvize Johann Tschürtz hat ein Bild gepostet, auf dem Frauen mit Schleier, Männer und Kinder an einem Strand zu sehen sind; darüber steht: „Geht nicht so weit ins Wasser Kinder, sonst holen euch die Europäer.“

© APA/JägerTschürtz hat das Posting, das viele empört, gelöscht.



Eisenstadt — Die burgenländische FPÖ sei „anders" als die Bundespartei. Das sagt der dortige Landeshauptmann Hans Niessl, wenn er für seinen Regierungsbund mit den Blauen kritisiert wird. Nun gibt es erstmals nicht Lob, sondern Tadel für den Koalitionspartner. FPÖ-Landesvize Johann Tschürtz hat auf Facebook ein Bild gepostet, auf dem Frauen mit Schleier, Männer und Kinder an einem Strand zu sehen sind; darüber steht: „Geht nicht so weit ins Wasser Kinder, sonst holen euch die Europäer."

Niessl äußert sich öffentlich nicht dazu, er habe mit Tschürtz aber gesprochen, teilt SPÖ-Landesgeschäftsführer Christian Dax via Tiroler Tageszeitung mit.

Was sagt Dax dazu? Er hatte ja geglaubt, dass die Facebook-Seite vom FPÖ-Parlamentsklub oder von der Bundes-FPÖ mitbetreut wird („Ich würde dem Landeshauptmannstellvertreter ein solches Posting nicht zutrauen"). „Sehr geschmacklos, dekadent sei das, eines Landeshauptmannstellvertreters nicht würdig", konstatiert Dax. „Das ist nicht der Stil in der Landesregierung. So etwas darf nicht mehr passieren. Das könnte ein schlechtes Licht auf die gesamte Regierung werfen." Beim Thema Flüchtlinge und Asyl seien „Zynismus und Polemik nicht angebracht".

Muss das Urteil über die burgenländischen Freiheitlichen ob dieser Causa nicht revidiert werden? „Johann Tschürtz hat das Posting gelöscht. Wir gehen davon aus, dass das ein Malheur, ein Missgeschick, ein Einzelfall war", sagt Dax. „Wir hoffen, dass es so etwas nicht mehr geben wird, dass das ein einmaliges Erlebnis war." Und wenn nicht, wenn Ähnliches erneut kommt? „Wir werden mit Argusaugen darauf schauen. Wenn das öfter der Fall wäre, wenn das der neue Stil wäre, dann müssten wir auf jeden Fall über die Zusammenarbeit reden." (kale)


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