Letztes Update am Di, 07.08.2018 11:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Burgenland

Massenrücktritt bei FPÖ Neusiedl und scharfe Kritik an Parteispitze

Gleich sechs Funktionäre sind auf einen Schlag aus der FPÖ Ortsgruppe Neusiedl am See ausgetreten – allen voran Stadtparteiobfrau Maria Nakovits. Sie rechnet in einer Aussendung mit der FPÖ-Landesparteispitze ab.

© Michael Gruber / EXPA(Symbolfoto)



Neusiedl am See – Sechs Mitglieder der FPÖ Ortsgruppe Neusiedl am See – allen voran die geschäftsführende Stadtparteiobfrau Maria Nakovits – sind aus der Partei ausgetreten. Die Hauptursachen seien „die politischen Akteure der Landespartei und der überwiegende Teil der Mitglieder der Ortsgruppe“, so Nakovits in einer Aussendung. Ihr Gemeinderatsmandat werde sie künftig parteifrei ausüben.

Sie sei seit etwa zwei Jahren Mitglied bei der FPÖ gewesen, sagte Nakovits am Dienstag gegenüber der APA. Für einige Monate habe sie auch die Funktion der Regionalmanagerin Nord über gehabt. Vorige Woche sei sie aus der Partei ausgetreten.

Nakovits: Ging nur um Macht und Eigeninteressen

Sie zeigte sich sehr enttäuscht von der Landesspitze. „Umso weniger die Menschen ehrlich sind, umso weniger Demut sie haben, umso schneller klettern sie die Politikkarriere hinauf“, stellte Nakovits fest. Es sei nur um Macht und Eigeninteressen gegangen. Die Beweggründe für die Austritte der anderen Ex-Mitglieder seien ähnlich wie bei ihr gewesen.

Nakovits übte in der Aussendung scharfe Kritik an der FPÖ. „Nach zwei Jahren musste ich feststellen, dass meine klare Linie nicht parteikompatibel ist“, erklärte sie. So soll der Umstand, dass ein Asylwerber bei einem Bürgerfest freiwillig geholfen habe, „für Irritation bis in die höchste Landesparteispitze gesorgt“ haben. „Mit solchen Positionen will ich weder in Verbindung gebracht werden, noch will ich mich in einer Partei engagieren, die zulässt, dass solches Gedankengut toleriert wird“, teilte die Ex-Freiheitliche mit.

Kritik auch an „Megagagen“ für Landespolitiker

Auch die Polit-Gagen sah sie kritisch. Politiker auf Landesebene seien vollkommen überbezahlt, wetterte Nakovits. „Der Mangel an Sachkompetenz, strategischem Denkvermögen und Gestaltungskraft steht in einem krassen Widerspruch zu den Megagagen, die mit Steuergeld bezahlt werden.“ Sie selbst habe hingegen im Gemeinderatswahlkampf Bürgerinformationen mit privatem Geld finanzieren müssen.

Die FPÖ sei eine „System- und Funktionärspartei klassischen Zuschnitts“. Als parteifreie Gemeinderätin werde sie es sich zum Ziel setzen, „diesen Parteisumpf trockenzulegen“, meinte Nakovits. Die FPÖ hat in Neusiedl am See zwei Gemeinderatsmandate. Das zweite wird von Herbert Denk ausgeübt, dieser bleibt bei der FPÖ.

FPÖ-Generalsekretär: „Lokalpolitische Befindlichkeiten“

FPÖ-Generalsekretär Christian Hafenecker hat die Parteiaustritte mit „lokalpolitischen Befindlichkeiten“ erklärt. Er vermutet „gekränkte Eitelkeiten“ oder „Streitereien vor Ort“ als Grund. So etwas komme in Ortsparteien immer wieder aus verschiedenen Gründen vor.

Die FPÖ Burgenland bedauerte die Parteiaustritte, stellte aber gleichzeitig fest, dass die Aktion „offenbar auf Gerüchten, bestenfalls Halbinformationen“ gefußt habe. (APA)