Letztes Update am Mo, 19.11.2018 13:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rückzug aus Ungarn

CEU-Übersiedelung nach Wien: ÖVP empfängt Soros mit offenen Armen

Die in Ungarn durch die Regierung Orban blockierte Central European University (CEU) von George Soros übersiedelt nach Wien. Kanzler Kurz und Bildungsminister Faßmann (ÖVP) trafen den US-Milliardär zu Gesprächen.

© APAUS-Investor George Soros (r.) und Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) bei einem Treffen am Montag.



Wien, Budapest – Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) ist erfreut über die bevorstehende Übersiedlung der Central Euopean University (CEU) von Budapest nach Wien. „Ich begrüße die Verstärkung des Universitätsstandortes Wien“, sagte Faßmann am Montag nach einem Gespräch mit Universitätsgründer George Soros. Der US-Investor hatte am Vortag auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zu einem Arbeitsgespräch getroffen.

Faßmann und der ungarisch-jüdischstämmige US-Finanzier und Philanthrop trafen einander am Rande einer Feierstunde zum 25. Gründungstag des ebenfalls von Soros finanzierten Open Medical Institutes in Wien. Die in Österreich ansässige Institution bietet vornehmlich Fortbildungen für Ärzte und medizinisches Personal an, um den Wissensabfluss aus ärmeren Ländern zu verringern. Soros habe über die Situation in Ungarn geklagt, berichtete Fassmann. Die geplante Übersiedlung der Universität sei offenbar auch eine Folge der dortigen Lage.

Regierung Orban betrachtet Soros als Feind

Die rechtsnationale ungarische Regierung von Viktor Orban betrachtet den Liberalen Soros als ihren erklärten Feind. Ein neues Hochschulgesetz aus dem Jahr 2017 hatte offenbar einen Angriff auf die CEU als Ziel. Obwohl die in Ungarn und den USA akkreditierte Universität inzwischen den Anforderungen des Gesetzes entspricht, weigert sich die ungarische Regierung eine Vereinbarung mit dem US-Staat New York zu unterzeichnen, die den Weiterbestand der CEU in Ungarn garantieren würde.

Faßmann wies darauf hin, dass der Bund Privatuniversitäten finanziell nicht unterstützen darf. „Wir können es nur allgemein begleiten, aber nicht finanzieren. Das ist aber auch nicht notwendig.“ Gefragt bezüglich der Angriffe auf Soros von Seiten mancher FPÖ-Politiker meinte der Minister, die Freiheit der Wissenschaften sei in Österreich ein „hohes Gut“. Daran würde auch nicht gerüttelt, „wenn es Zurufe gibt“. Soros selbst wollte sich nach der Veranstaltung gegenüber Medien nicht äußern.

Hassfigur für die Rechten

Für die rechtskonservative ungarische Regierung ist der Holocaust-Überlebende Soros eine Hassfigur, dem die Schuld an der Migrationskrise des Jahres 2015 umgehängt wird. Ihm wird vorgeworfen, einen eigenen „Plan“ zur Ansiedlung von Migranten in Europa zu haben, wobei es sich nach Ansicht von Kritikern um eine Verschwörungstheorie mit antisemitischen Untertönen handelt. Auch FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus sagte im April, es gebe „stichhaltige Gerüchte“, wonach Soros „gezielt Migrantenströme nach Europa“ lenken würde. (APA)