Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.12.2018


Innenpolitik

Masterplan Pflege lässt Geldfrage offen

Regierung beschließt Fahrplan für die Reform des Pflegesystems. Agenturen für die Vermittlung von Betreuerinnen sollen zertifiziert werden.

© APASozialministerin Beate Hartinger-Klein.



Wien – Ein Qualitätssiegel für Vermittlungsagenturen von 24-Stunden-Betreuerinnen, eine Imagekampagne als Wertschätzung für die pflegenden Angehörigen, eine weitere Kampagne zur Attraktivierung der Pflegeberufe, die Ankündigung von Studien zum Mangel an Pflegepersonal und zur künftigen Finanzierung der Pflege: Das sind neben einer noch nicht bezifferten Erhöhung des Pflegegeldes ab Stufe vier die Inhalte eines „Masterplans“, den Sozialministerin Beate Hartinger-Klein heute dem Ministerrat vorlegen will.

Die Maßnahmen folgen dem Motto „Pflege daheim vor stationär“. In der zentralen Frage, wie der zunehmende Pflegebedarf künftig finanziert werden soll, legt sich die Regierung aber noch nicht fest. Eine Basis für die Antwort erhofft sie sich bis Mitte 2019 von der Finanzierungsstudie. Dafür sollen auch internationale Beispiele für die Finanzierung von Pflegesystemen verglichen werden.

Die Bedeutung des Themas „Pflege“ lässt sich aber schon jetzt in Zahlen gießen. Der Ministerratsvortrag zitiert Schätzungen, nach denen 950.000 Menschen – mehr als zehn Prozent der Bevölkerung – in irgendeiner Weise an der Pflege in der Familie beteiligt sind. Weitere 460.000 Personen beziehen Pflegegeld; in Summe sind daher 1,4 Millionen Menschen betroffen.

Und ihre Zahl wird steigen: Der Anteil der über 80-Jährigen an der Gesamtbevölkerung liegt derzeit bei fünf Prozent. 2030 werden es fast sieben Prozent sein.

Hartinger-Klein will die Frage zuerst im Frühjahr in einer Parlamentarischen Enquete diskutieren. Bis Ende 2019 soll ein fertiges Konzept samt den dazugehörigen Gesetzen vorliegen.

Jedenfalls beabsichtigt ist eine Verbesserung der Qualitätssicherung bei der 24-Stunden-Pflege. Dafür soll ein Qualitätssiegel für Vermittlungsagenturen geschaffen werden. Die Regierung will auch prüfen, ob 24-Stunden-Betreuerinnen nicht mehr als nur eine Person betreuen könnten.

Geplant ist weiters, die Ausbildung für Pflegeberufe zu verbessern und die Durchlässigkeit zu Berufen in der Sozialbetreuung zu erhöhen. Ein Freiwilliges Soziales Jahr soll auch in der häuslichen Pflege möglich sein. (sabl)