Letztes Update am Fr, 22.02.2019 10:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Politische Beziehungen

Kneissl in Kathmandu: Ausbau der Kooperation mit Nepal

Bei ihrem Pressestatement hob Außenministerin Karin Kneissl (FÖP) insbesondere den Beitrag Nepals bei UNO-Friedensmissionen hervor. Außerdem biete Nepal österreichischen Klein- und Mittelbetrieben vielerlei Möglichkeiten, so Kneissl überzeugt.

Nepalesische Soldaten in einer Parade zum Nationalen Demokratietag in Kathmandu am 19. Februar.  Kneissl erinnerte daran, dass österreichische und nepalesische Soldaten bei den Peacekeeping Missions im Libanon gemeinsam aktiv seien.

© imago stock&peopleNepalesische Soldaten in einer Parade zum Nationalen Demokratietag in Kathmandu am 19. Februar. Kneissl erinnerte daran, dass österreichische und nepalesische Soldaten bei den Peacekeeping Missions im Libanon gemeinsam aktiv seien.



Kathmandu, Wien – Österreich und Nepal wollen ihre bi- und multilateralen Beziehungen weiter ausbauen. Das vereinbarten Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) und ihr Amtskollege Kumar Gyawali am Freitag bei einem Treffen in Kathmandu. Kneissl hob bei ihrem Pressestatement insbesondere den Beitrag Nepals bei UNO-Friedensmissionen hervor.

Österreichische und nepalesische Soldaten seien bei den Peacekeeping Missions im Libanon gemeinsam aktiv, erinnerte Kneissl. Daher wisse Österreich den diesbezüglichen Einsatz Nepals zu schätzen, sagte die Außenministerin. Der Erfolg dieser Missionen hänge ja davon ab, wie viel die jeweiligen Mitgliedsstaaten beizutragen gewillt seien.

Gyawali, der im Vorjahr in Wien zu Gast gewesen war, drückte seine Hoffnung auf eine weitere Zusammenarbeit in den Bereichen Handel, Investment und technologische Entwicklung aus. Kneissl sekundierte, es gebe diesbezüglich viele Gründe „optimistisch zu sein“ und verwies insbesondere auf die bereits seit Jahren funktionierende Kooperation in Sachen Kulturerbe. Österreich ist seit Jahren bei der Restaurierung von nepalesischem Kulturgut engagiert. Der Schwerpunkt liegt dabei beim ehemaligen Königspalast in Patan.

Möglichkeiten für österreichische Betriebe

Nepal biete österreichischen Klein- und Mittelbetrieben vielerlei Möglichkeiten, zeigte sich Kneissl zudem überzeugt. Da das Land wie Österreich von Bergen geprägt ist, haben sich auch bereits Firmen wie der Liftbauer Doppelmayr oder der im Bereich Wasserkraft engagierte Maschinenbaukonzern Andritz hierorts etabliert. Für die Zukunft Nepals sei ein verlässlicher „Energie-Mix“ aus verschiedenen Quellen unerlässlich, hielt Kneissl bei einem gemeinsamen Presseauftritt mit ihrem Amtskollegen fest.

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Die Außenministerin gratulierte den Gastgebern aber auch zu den Fortschritten, die das Land trotz Widrigkeiten wie dem Erdbeben von 2015 mit vielen Schäden und fast 9000 Toten in den vergangenen Jahren gemacht habe. Sie sei zwar das erste Mal in Nepal, „aber sicher nicht das letzte Mal.“

Kneissl traf im Verlauf des Donnerstags auch mit Regierungschef Khadga Prasad Sharma Oli zusammen. Er steht einer von zwei vereinten kommunistischen Parteien geführten Regierung mit maoistischer Beteiligung vor. Ausländische Diplomaten attestieren der Vereinigten Marxistisch-Leninistischen Partei (CPN-UML) trotz ihres Namens eine eher sozialistische oder sozialdemokratische Linie.

Der Himalaya-Staat Nepal liegt zwischen den höchsten Bergen der Welt an seiner Nordgrenze und feuchtheißen Dschungelgebieten im Süden. Knapp unter 30 Millionen Menschen leben in der an Indien und China angrenzenden Republik, die sich auf 147.000 Quadratkilometern erstreckt. An der Grenze Nepals zu Tibet baut sich der Mount Everest auf, der mit 8.848 Metern höchste Berg der Erde.

Nepal in vergangenen Jahren an China orientiert

Die Lage zwischen China und Indien macht den Binnenstaat auch von den beiden Großmächten abhängig. Vor allem Indien nutze dies aus, heißt es in Diplomatenkreisen. Die indischen Behörden würden bei Transitwaren hohe Gebühren einheben. Zudem dauere etwa der Transport eines Containers vom knapp 1000 Kilometer entfernten Hafen Kalkutta nach Kathmandu in der Regel rund 45 Tage, während Waren von der wesentlich weiter entfernt gelegenen chinesischen Ostküste bereits in 30 Tagen nach Nepal geliefert würden.

Daher orientierte sich Nepal in den vergangenen Jahren vermehrt nach China. Dies wiederum wird von Indien kritisch und besorgt beäugt. Beide Länder wollen ihren Einfluss auf die Wirtschaft verstärken und ringen beispielsweise um den Zugriff auf die Energieressourcen Nepals.

Auch Kneissl nahm während ihres Besuchs gegenüber österreichischen Journalisten auf die „große Rivalität“ zwischen Indien und China Bezug. Da würden zwei große Akteure ihr geopolitisches Spiel treiben, in dem sich kleinere Länder behaupten müssten. Nepal müsse sich gegen diese Vereinnahmungen zur Wehr setzen. Allerdings habe etwa eine monatelange „Grenzsperre“ seitens Indiens den Nepalesen „sehr wehgetan“.

Traditionell und auch religiös ist Nepal eher mit Indien verbunden. Über 80 Prozent der Einwohner bekennen sich zum Hinduismus. Traditionell ging die Elite des Landes zum Studium nach Neu Delhi. Durch den Aufschwung Chinas zur Wirtschaftsgroßmacht hat das „Land der Mitte“ aber diesbezüglich zuletzt stark an Anziehungskraft gewonnen.

Österreich wiederum müsse im Rahmen seines Asien-Schwerpunkts danach trachten, nicht nur mit den großen Akteuren wie China, Japan oder Südkorea in Kontakt zu bleiben, betonte Kneissl, die im Rahmen einer neuntägigen Reise bereits Bangladesch besuchte und nach dem Aufenthalt in Kathmandu nach Bhutan und Indien weiterreisen wollte.

Dass sich in Nepal auch das Engagement im Tourismus lohnen kann, zeigte indes der Ort, an dem das Treffen zwischen Kneissl und Nepals Außenminister stattfand. Das komfortable Hotel „Yak und Yeti“ ist in einem denkmalgeschützten Palast untergebracht. Es wird seit Jahren von Österreichern betrieben. (APA)


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