Letztes Update am Mi, 27.02.2019 13:17

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

Asyl: Hunderte Lehrlinge vor Abschiebung

Der oberösterreichische Landesrat Rudolf Anschober (Grüne) fordert Kanzler Sebastian Kurz deshalb zu Gesprächen auf. Pro abgeschobenem Lehrling würden dem Staat laut Ökonom Friedrich Schneider rund 100.000 Euro entgehen.

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© Thomas Boehm / TTSymbolbild.



Wien – Für fast 700 Lehrlinge dürften die nächsten Wochen entscheidend werden: Sie haben in der ersten Instanz einen negativen Asylbescheid erhalten und könnten bald abgeschoben werden. Der oberösterreichische Landesrat Rudolf Anschober (Grüne) bekräftigte deshalb bei einer Pressekonferenz am Mittwoch seine Forderung, Asylwerber während der Ausbildung nicht abzuschieben.

„Wir haben in dieser wichtigen Frage jetzt fünf vor zwölf. In den nächsten Wochen drohen viele Abschiebungen“, betonte Anschober, der die Initiative „Ausbildung statt Abschiebung“ ins Leben gerufen hat. Er fordert deshalb Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) dazu auf, das Thema endlich zur „Chefsache“ zu erklären. „Der Bundeskanzler muss jetzt die Verantwortung über die Zukunft Hunderter integrierter Menschen übernehmen und endlich mit uns Gespräche führen“, meinte der Landesrat.

Nicht nur menschlich, sondern auch wirtschaftlich sei es nicht sinnvoll, Asylwerber in Ausbildung abzuschieben. Ökonom Friedrich Schneider präsentierte seine Studie, die zeigt, dass die Abschiebung von Lehrlingen einen wirtschaftlichen Schaden im zweistelligen Millionenbereich bedeuten würde. Pro abgeschobenem Lehrling würden dem Staat rund 100.000 Euro entgehen. „Könnten sie in Österreich bleiben, würden die fertig ausgebildeten Lehrlinge Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Auch ihr Gehalt fließt zu großen Teilen in die Wirtschaft zurück, weil sie bei uns konsumieren“, betonte Schneider.

Zudem, so Anschober, werden die Asylwerber in Mangelberufen gebraucht. „Wir suchen mit Millionen-Aufwand international nach potenziellen Fachkräften und werfen jene aus dem Land, die schon in Ausbildung sind“, sagte Anschober, der das deutsche „3+2-Modell“ als Vorbild für eine „vernünftige Lösung“ ansieht. Derzeit absolvieren laut Anschober 1043 junge Asylwerber in Österreich eine Lehre. Schätzungen zufolge haben zwei Drittel von ihnen in erster Instanz einen negativen Asylbescheid erhalten. „Das sind die Menschen, die all das gemacht haben, was unsere Gesellschaft von ihnen verlangt. Sie haben sich integriert“, betonte Anschober.

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70.000 Private und knapp 1300 Unternehmen unterstützen seine Initiative. Darunter sind auch Spar und Rewe, die ständig nach neuen Lehrlingen suchen. „Wir könnten 2700 Lehrlinge ausbilden. Uns fehlen aber ständig 300 bis 400“, erzählte Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender von Spar. (APA)


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