Letztes Update am Mo, 01.04.2019 11:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Rassismus-Debatte

Muslimin in Wien wüst beschimpft: Video löst Rassismus-Debatte aus

Eine junge Muslimin mit Kopftuch wurde an einer Straßenbahnhaltestelle von einer Frau beschimpft und bespuckt. Ein Video davon macht im Internet die Runde und löst eine Diskussion über Rassismus aus. Bundeskanzler Kurz meldete sich zu Wort und verurteilte die Attacke.

Das Video zeigt, wie eine Frau aufs Übelste rassistisch beschimpft wird. Nun meldet sich sogar die Regierungsspitze zu Wort.

© Screenshot/FacebookDas Video zeigt, wie eine Frau aufs Übelste rassistisch beschimpft wird. Nun meldet sich sogar die Regierungsspitze zu Wort.



Wien — Wegen eines in Wien an einer Straßenbahnhaltestelle aufgenommenen Videos ist eine Debatte über Rassismus und Islamfeindlichkeit in Österreich entbrannt. Es zeigt, wie eine junge Österreicherin von einer älteren Frau attackiert wird. Die angesprochene Frau ist Muslimin und trägt Kopftuch. Sie wird von ihrem Gegenüber beschimpft. "Das ist mein Land, du Hure", schreit die ältere Frau. Und: "Die FPÖ haut euch alle raus". Es folgt eine Tirade von herabwürdigenden Beleidigungen. Die junge Frau, die heimlich mitfilmte, wehrte sich heftig. Immer wieder sagt sie: "Dieses Land ist auch mein Land." Sie sei hier geboren.

Eine Freundin der Frau, die Anti-Rassismus-Aktivistin Asma Aiad, teilte das Video anschließend in sozialen Netzwerken, gemeinsam mit einer Warnung vor antimuslimischem Rassismus, der "mittlerweile leider am Tagesprogramm" stehen würde. Das Video wurde alleine auf Facebook mittlerweile (Stand Montagvormittag) mehr als 170.000 Mal aufgerufen.

Kurz verurteilt Attacke "aufs Schärfste"

Die Debatte um das Video erreichte mittlerweile auch die Regierungsspitze. Bundeskanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz meldete sich ebenfalls per Facebook zu Wort. "Eine widerliche Attacke, die ich auf das Schärfste verurteile. In Österreich stehen wir für ein respektvolles und friedliches Miteinander aller Religionen!", postete der Regierungschef.

Indes gab es bei dem Vorfall zumindest auch einen Lichtblick: Umstehende Passanten zeigten offenbar Zivilcourage und versuchten der Frau zu helfen. Das brachte die Situation zwar zum Eskalieren, die Täterin bespuckte die Muslimin und lief schreiend davon: "Eine kriminelle Gewalttäterin, Hilfe!" Bei dem Posting zum Video schreibt die Freundin der Muslimin dennoch: "Tröstend ist, dass im Gegensatz zu vielen anderen Vorfällen, hier Frauen und Männer Zivilcourage gezeigt haben, zu ihr gestanden sind und sie nach dem Vorfall getröstet haben." (TT.com/APA)

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.