Letztes Update am Fr, 05.04.2019 11:29

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Debatte um Rechtsextremismus

Enthüllung in Causa Identitäre: Sellner klebte Hakenkreuze auf Synagoge

Wie bekannt wurde, hat der Chef der rechtsextremen Identitären Martin Sellner vor Jahren Hakenkreuze auf eine Synagoge geklebt. Kanzler Kurz nannte die Enthüllungen erneut “widerlich“.

Identitären-Sprecher Martin Sellner.

© APAIdentitären-Sprecher Martin Sellner.



Wien — Dafür, dass Identitären-Chef Martin Sellner als Jugendlicher in Neonazi-Aktivitäten verstrickt war, gibt es nun neue Belege. Die "Kleine Zeitung" berichtete am Freitag unter Berufung auf ein Polizeiprotokoll, dass der damals 17-Jährige im Jahr 2006 Hakenkreuz-Kleber an der Synagoge in Baden bei Wien angebracht hatte. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zeigte sich angewidert.

Sellner gab sich damals reuig, so die Zeitung, es kam zu einer außergerichtlichen Einigung. Sellner verpflichtete sich, 100 Stunden Hilfsarbeiten auf dem jüdischen Friedhof in Baden zu verrichten.

Bereits im Grazer Identitären-Prozess 2018 war Sellners einschlägige Vergangenheit Thema gewesen. Der Richter sprach ihn auf seinen Kontakt zu rechtsradikalen Personen wie etwa Gottfried Küssel an, mit dem er auf einem Foto zu sehen ist. "Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich in meiner Jugend in diesen Kreisen war, aber ich habe mich davon gelöst", beteuerte Sellner. "Aber das Foto stammt aus 2010 oder 2011. Das ist knapp vor der Gründung der IBÖ", warf der Richter ein. Sellner blieb dabei, dass er nun nichts mehr damit zu tun habe.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), der seine Abscheu gegenüber den Identitären bereits am Mittwoch nach dem Ministerrat kundgetan hatte und sich gegen Verflechtungen auch seines Koalitionspartners FPÖ mit der Organisation ausgesprochen hatte, reagierte umgehend in einem Tweet.

Rechtsextremist Martin Sellner rechtfertigte sich am Freitag in einem über zehnminütigen Online-Videomonolog für sein Hakenkreuz-Kleben im Jahr 2006. Er habe provozieren wollen und sei damals "tatsächlich rassistisch, xenophob und antisemitisch" unterwegs gewesen. Mit dieser Ideologie habe er gebrochen, nicht aber mit seinem Patriotismus. Er ortete eine Kampagne gegen sich. Diese "mediale Nazi-Trommelfeuer" werde weitergehen, "bis die FPÖ Wachs geworden ist in den Händen von Sebastian Kurz".


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