Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 17.04.2019


Österreich

Mitterlehner-Buch: Machtwechsel oder die Kunst der Intrige

Heute erscheint das Buch „Haltung“ von Reinhold Mitterlehner. Er nimmt dabei die subjektive Rolle des Kronzeugen des Machtwechsels ein.

Oktober 2016: Der damalig Vizekanzler und ÖVP-Parteiobmann Reinhold Mitterlehner und Außenminister Sebastian Kurz.

© APA/HERBERT NEUBAUEROktober 2016: Der damalig Vizekanzler und ÖVP-Parteiobmann Reinhold Mitterlehner und Außenminister Sebastian Kurz.



Von Michael Sprenger

Wien – Mit Spannung wird das Erscheinen des Buches „Haltung – Flagge zeigen im Leben der Politik“ erwartet. Der frühere ÖVP-Obmann und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner widmet sich dabei auf mehr als 200 Seiten seinem persönlichen Zugang zur Politik und den zentralen Punkten seiner aktiven Zeit als Politiker. Neben der Flüchtlings- und Wirtschaftskrise rückt er naturgemäß auch den Machtwechsel hin zu Sebastian Kurz in das Zentrum seines Buches.

Mit seinem Rücktritt im Mai 2017 habe er die Partei keineswegs überrumpelt, stellt Mitterlehner klar. Kurz und seine Getreuen hätten sich vielmehr bereits seit mehr als einem Jahr auf die Übernahme der Partei vorbereitet. Mitterlehner berichtet von „Mobbing“ und „Intrigen“ – von „teilweise frei erfundenen“ Geschichten über ihn im Boulevard.

Schon im Prolog seines Buches klagt Mitterlehner an, dass es in der Politik „fast nie um den Wettbewerb der besseren Konzepte“ gehe, sondern „um Machtergreifung und Machtdurchsetzung“.

In der ÖVP selbst versuchte man bis zuletzt, den Ball flach zu halten. So, als wollte man nicht noch für das Buch Werbung betreiben. Doch am Tag vor dem Erscheinen, als einzelne Passagen aus dem Buch an die Öffentlichkeit gelangt waren, wurde der eingeschlagene Kurs dann mit schriftlichen Stellungnahmen abgeändert.

So stellte der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter fest: „Man mag Verständnis für persönliche Befindlichkeiten, wie sie nun Mitterlehner zwei Jahre danach an den Tag legt, haben. Ich persönlich habe einen anderen Zugang zur Politik. Leider hat es Mitterlehner nicht geschafft, den damaligen Regierungspartner SPÖ dazu zu bringen, die notwendigen Reformen in Österreich einzuleiten. Die Bevölkerung wollte einen neuen Stil. (...) Bei der Nationalratswahl 2017 wäre die ÖVP nach allen Vorzeichen deshalb auf unter 20 Prozent abgestürzt.“ Die Bundespartei ergänzt: „Natürlich gibt es beim Blick auf die Vergangenheit immer unterschiedliche Perspektiven: Gerade in diesem Fall ist das offensichtlich.“