Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.04.2019


Innenpolitik

“Masterplan Pflege“: Fünf Forderungen an die Regierung

Die Koalitionäre werken an einem „Masterplan Pflege“. Die fünf größten Hilfsorganisationen

im Land tun kund, was aus ihrer Sicht nötig ist, etwa „leistbare Betreuungsangebote“.

455.000 Menschen beziehen derzeit Pflegegeld. In den kommenden Jahren wird die Zahl wachsen.

© APA455.000 Menschen beziehen derzeit Pflegegeld. In den kommenden Jahren wird die Zahl wachsen.



Von Serdar Sahin

Wien – Was ist für ein zukunftsfittes Pflegesystem nötig? Mit dieser Frage haben sich die fünf größten Hilfsorganisationen des Landes beschäftigt – und nun ein Positionspapier vorgestellt. Darin verlangen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz sowie die Volkshilfe von der Regierung konkrete Maßnahmen zur Umsetzung des angekündigten „Masterplans Pflege“.

Was fordern die in der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG) verankerten fünf Organisationen?

Die BAG schlägt hier vor, den 2011 eingeführten Pflegefonds „zu einem gewichtigen Steuerungsinstrument weiterzuentwickeln“. Auch die Hospiz-Finanzierung sollte laut Wachter zur Regelfinanzierung werden. Derzeit würde diese großteils aus Spenden finanziert. „Das kann es nicht sein“, sagt der Caritas-Generalsekretär.

Zudem fordert er, die Tagesbetreuung auszubauen – lediglich ein Prozent der Pflegegeldbezieher würden dort derzeit betreut. Weiters will Kerschbaum „neue Modelle des Wohnens“, Telemedizin für chronisch Kranke und weitere Präventions-Angebote.

Eine private Versicherung zur Finanzierung der Pflege schließen die BAG-Vertreter aus. Eine solidarische Finanzierung sei vonnöten.

Wer soll dafür zahlen?

Daheim vor stationär: So lautet das Motto, das ÖVP und FPÖ für den „Masterplan Pflege" ausgegeben haben. Angekündigt sind u. a. ein Qualitätssiegel für Vermittlungsagenturen von 24-Stunden-Betreuerinnen, eine Imagekampagne als Wertschätzung für die pflegenden Angehörigen sowie eine weitere Kampagne zur Attraktivierung der Pflegeberufe und eine Erhöhung des Pflegegeldes in den höheren Stufen.

Der Ankündigung dieses Plans im Dezember des Vorjahres folgte seither eine große Dialog-Veranstaltung im März. Konkrete Inhalte gebe es aber noch nicht, erfuhr die TT gestern im Sozialministerium.

Nicht geklärt ist vor allem die künftige Finanzierung. Einer privaten Pflegeversicherung erteilte Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) bereits eine Absage — bleiben als Möglichkeit eine Finanzierung aus dem Steuertopf oder ein Modell in Anlehnung an die Sozialversicherung. (TT)


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