Letztes Update am Mi, 22.05.2019 11:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Ibiza-Affäre

Erste Spur in Ibiza-Affäre? Wiener Anwalt soll Treffen vermittelt haben

Hat ein Wiener Anwalt Johann Gudenus hereingelegt? Der ehemalige FPÖ-Klubobmann erklärte „Kurier“ und „Presse“, wie es zu dem Treffen auf Ibiza gekommen sein soll. Besagter Advokat soll schon 2015 verfängliches Material über die FPÖ feilgeboten haben.

Ein Anwalt soll das Treffen auf Ibiza eingefädelt haben, behauptet Gudenus (l.).

© SPIEGEL/SÜDDEUTSCHE ZEITUNGEin Anwalt soll das Treffen auf Ibiza eingefädelt haben, behauptet Gudenus (l.).



Wien – Es ist aktuell eines der meist diskutierten Themen im Land: Wer steckt hinter dem Ibiza-Video? Wer hat das Treffen mit der vermeintlichen Oligarchen-Nichte eingefädelt und damit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und Klubobmann Johann Gudenus zu Fall gebracht?

Gudenus bezeichnet den Anwalt als "zentrale Figur".
Gudenus bezeichnet den Anwalt als "zentrale Figur".
- APA

Während Ersterer öffentlich über „ausländische Geheimdienste“ hinter der Sache spekulierte, brachte Letzterer nun eine mögliche erste Spur zu den Verantwortlichen ins Spiel. Gudenus bezeichnete am Dienstag im Gespräch mit dem Kurier einen Anwalt mit Kanzlei in der Wiener Innenstadt als zentrale Figur in der Causa. Der Advokat war es demnach, der den Kontakt zu den Lockvögeln einfädelte und so den Grundstein für das verheerende Treffen auf der Baleareninsel legte.

Erstes Treffen in Wiener Restaurant

Die „Ibiza-Affäre“ soll ihren Anfang demnach am 24. März 2017 im Restaurant „Le Ciel“ in der Wiener Innenstadt genommen haben. Dort sei er mit der vermeintlichen Oligarchen-Nichte, ihrem deutschen Mittelsmann, der sich mit dem Decknamen Julian Thaler als Besitzer einer Münchner Detektei vorstellte, und besagtem Anwalt in Kontakt getreten, erzählte Gudenus der Zeitung.

Der damalige Wiener FPÖ-Vizebürgermeister wollte nach dem Tod seines Vaters im September einen Teil des Grundbesitzes der Familie im Waldviertel veräußern. Eine befreundete Immobilienmaklerin habe einen Draht zu dem besagten Anwalt hergestellt, so Gudenus. Dieser wiederum habe behauptet, eine Lettin zu kennen, die eine solche Liegenschaft suche. Die Frau – ihr angeblicher Name lautete Aljona Makarowa – habe bei dem Treffen in dem Restaurant angegeben, sie suche ein Grundstück in Österreich, weil sie mit ihrem Kind nach Wien übersiedeln wolle.

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Der Anwalt habe ihm „bestätigt, dass die Identitäten der Herrschaften echt sind. Er hat mir eine Passkopie der Lettin gezeigt. Das war ja ein EU-Pass“, sagte Gudenus dem Kurier.

Der Presse erzählte Gudenus, er habe den weiblichen Lockvogel zwei, dreimal in Wien gesehen, deren Vertrauten etwas öfter. Bei einem dieser Treffen habe man dann das verfängliche Treffen auf Ibiza vereinbart – der Rest ist bekannt. Nach der verhängnisvollen Zusammenkunft auf der Baleareninsel habe er die Dame nicht mehr gesehen, erklärte Gudenus.

Anwalt soll schon 2015 belastende Fotos angeboten haben

Der Anwalt soll nach Informationen der Presse bereits früher versucht haben, belastendes Material über führende FPÖ-Politiker zu veräußern. Demnach habe er etwa vor der Wiener Gemeinderatswahl 2015 Mittelsmännern mehrerer Parteien gegen einen sechsstelligen Betrag belastende Fotos von Strache angeboten. Diese sollten den Parteichef in einer Garage bei der Übergabe von Bargeld oder beim Drogenkonsum zeigen.

Als Quelle soll der Rechtsvertreter einen frustrierten ehemaligen FPÖ-Parlamentsklubmitarbeiter genannt haben, der mit dem Geld finanziell „aufgefangen“ werden sollte. Eingestiegen sei auf den Deal jedoch niemand, die Aktion sei versandet.

Auftraggeber unbekannt

Wer das Ibiza-Video in Auftrag gegeben hat, bleibt nach wie vor im Dunklen. Der Anwalt berief sich gegenüber der Presse auf die Verschwiegenheitspflicht. Der Kurier will jedenfalls von Insidern erfahren haben, dass es eine „Spur in das parteipolitische Umfeld von Gudenus & Co.“ geben soll. (TT.com)