Letztes Update am Do, 25.07.2019 07:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Interview

Tobias Pötzelsberger: „Ich bin just another Fernseh-Moderator“

Tobias Pötzelsberger moderiert erstmals die ORF-„Sommergespräche“. Wie er sich darauf vorbereitet und mit Druck umgeht, erzählt er im TT-Interview.

Für seine Band „The More or the Less“ hat Pötzelsberger derzeit keine Zeit. Nach den Sommergesprächen will er wieder musizieren.

© ORFFür seine Band „The More or the Less“ hat Pötzelsberger derzeit keine Zeit. Nach den Sommergesprächen will er wieder musizieren.



Wien — Ein Tisch und zwei Stühle — ein nüchternes Setting hat sich Tobias Pötzelsberger für die ORF-„Sommergespräche“ gewünscht. Der Wahlkampf werde ohnehin aufregend genug, er wolle die Atmosphäre ein wenig runterkühlen. Seit seiner souveränen Live-Berichterstattung zum Ibiza-Skandal ist der Innviertler einem breiteren Publikum bekannt. Nun darf er erstmals die traditionellen Interviews mit den Parteichefs führen. Sie werden ab 5. August jeweils am Montag um 21.05 auf ORF 2 ausgestrahlt.

Die Sommergespräche sind eine Institution im ORF. ORF-2-Chefredakteur Matthias Schrom hat sie als Königinmutter des Interviews bezeichnet. Erzeugt das nicht sehr viel Druck auf Sie?

Tobias Pötzelsberger: Man muss sich auf jedes Interview gut vorbereiten. Ich spüre aber keinen großen Druck, weil ich schon einige Live-Sendungen gemacht habe. Ich glaube, es gelingt mir im Moment auch ganz gut, halbwegs gelassen zu bleiben.

Sie waren auch im Radio in Salzburg tätig. Eine gute Schule für TV-Interviews?

Pötzelsberger: Ja, Radio hat mich sehr geprägt. Mein ganzes journalistisches Werkzeug habe ich dort gelernt. Ich habe auch für eine Zeitung — die Salzburger Nachrichten — geschrieben. Aber im Live-Betrieb des Hörfunks kann es richtig hektisch werden. Ich habe damals eine einstündige Diskussionssendung mit Live-Gästen und Anrufern moderiert. Wenn dann jemand am Telefon daherschimpft, muss man in der Sekunde reagieren. Das stählt dich.

Wie bereiten Sie sich generell auf Sendungen vor?

Pötzelsberger: Einen Teil muss man passieren lassen, wie in einem echten Gespräch. Ich will mich nicht in einen Fragenkatalog einsperren. Ich schreibe mir Stichwörter und ein paar wichtige Zahlen auf. Wichtig ist, dass man im Hintergrund viel weiß — also von Klimaschutz bis Parteispenden. Darauf bereite ich mich vor. Ich lese den ganzen Tag, bis mir der Kopf raucht. Ich schaue alle ZIB-Sendungen, lese alle Zeitungen, viele Bücher und höre Ö1.

Nach der Ibiza-Berichterstattung sind Sie als neuer TV-Star bejubelt worden ...

Pötzelsberger: Ich bin kein Star.

Auch wenn Sie sich nicht so sehen, andere tun das. Haben Sie Starallüren entwickelt?

Pötzelsberger: Nein. Ich bin ein Journalist und Reporter, der seinen Job sehr gern macht. Und der die glückliche Fügung erlebt hat, an diesem Tag (Ibiza-Affäre) im Dienst zu sein. Das war ein Zufall. Ich habe in ein relativ tiefes Wasser springen dürfen — und habe schwimmen können. Aber Stars sind andere — Niki Lauda, DER war ein Star. Ich bin just another Fernseh-Moderator. Und mir ist wichtig: Die ORF-2-Information ist ein tolles Team und „Ibiza“ hat wieder gezeigt, was dieses Team kann.

Wie wollen Sie verhindern, dass die Spitzenkandidaten nur ihr Wahlprogramm herunterdeklinieren?

Pötzelsberger: Nachfragen und wenn nötig unterbrechen. Und auch erklären, warum. Ich bin ja als Moderator auch dazu da, die Medaille von der anderen Seite zu sehen — andere Argumente ins Gespräch zu bringen.

Gerade die Sommergespräche sind eine Bewährungsprobe. Ist Ihre Haut dick genug?

Pötzelsberger: Ich gehe davon aus, dass der Sympathiewettbewerb hier endet. Wenn man Politikern kritische Fragen stellt, wird es auch dazu kommen, dass Sympathisanten der jeweiligen Politiker das Interview als nicht so angenehm empfinden. Ich gehe davon aus, dass es auch Kritik geben wird. Es ist ja nicht mein erstes Interview. Wie dick die Haut dann sein muss, werde ich eh erfahren. Damit muss ich dann eben umgehen.

Es gibt immer wieder Vorwürfe gegen ORF-Journalisten, dass sie manche Parteien härter anfassen als andere. Wie wollen Sie verhindern, dass man Ihnen auch so etwas vorwirft?

Pötzelsberger: Es gibt viele Pötzelsberger-Interviews im Archiv. Und es gab nie Beschwerden, dass ich jemanden unfair behandelt hätte. Ich versuche fair und freundlich zu sein. Es muss ja nicht überall Brösel geben, Politiker sind ja auch Profis. Die wissen und sind hoffentlich dafür, dass die freie Presse freie, kritische Fragen stellt.

Welche Politiker sind am schwierigsten zu interviewen?

Pötzelsberger: Jeder ist eigen. Allen ist gemein, dass sie sich selber eine Frage stellen, wenn ihnen eine Frage nicht gefällt.

Das Gespräch führte Serdar Sahin