Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 15.08.2019


Nationalratswahl

Tiroler ÖVP-Kandidatin ohne Parteibuch und Klubzwang













Die Dritte der VP-Nationalratswahlliste, Alexandra Tanda, hat sich gegenüber dem Roten Kreuz zur Überparteilichkeit verpflichtet. Ein Klubzwang im Parlament kommt für sie deshalb nicht in Frage.

© ÖVP











Die Dritte der VP-Nationalratswahlliste, Alexandra Tanda, hat sich gegenüber dem Roten Kreuz zur Überparteilichkeit verpflichtet. Ein Klubzwang im Parlament kommt für sie deshalb nicht in Frage.



Die Geschäftsführerin des Roten Kreuzes in Innsbruck, Alexandra Tanda, war die Überraschung bei der Kandidatennominierung der Tiroler Volkspartei für die Nationalratswahl. Sie kandidiert an dritter Stelle der Landesliste und kann wohl mit einem Nationalratsmandat rechnen. Nach der Abstimmungsniederlage der Arbeitnehmer-Kandidatin Erika Landers im Wahlkreis Innsbruck-Mitte präsentierte die ÖVP-Spitze Tanda am 8. Juli im Parteivorstand. Aber schon Tage zuvor hatte sie ÖVP-Hauptgeschäftsführer Martin Malaun kontaktiert. Tanda „fühlte sich geehrt" und hat nach Rücksprache mit ihrem Innsbrucker Rotkreuz-Vorstand zugesagt.

So einfach ist es nämlich nicht, denn das Rote Kreuz setzt auf Überparteilichkeit. „Und das war auch die Bedingung", sagt Tanda. Nationalrat ja, aber keine ÖVP-Parteimitgliedschaft. Dass sie trotzdem kandidieren könne, zeige jedoch die Offenheit und Breite in der Volkspartei, fügt Tanda hinzu. „Ich habe aber, und das weiß jeder, der mich kennt, christlich-soziale Wurzeln."

Doch damit nicht genug: Tanda sicherte ihrem Arbeitgeber überdies zu, dass sie sich auch nicht einem etwaigen Klubzwang verpflichtet fühle. Ein heikler Punkt, war doch schließlich gerade der ÖVP-Parlamentsklub in der vergangenen Nationalratsperiode sehr auf Geschlossenheit erpicht.

Für den Geschäftsleiter des Roten Kreuzes Tirol, Thomas Wegmayr, ist es jedenfalls wichtig, dass Tanda — sollte sie ein Mandat erreichen — „im Parlament nicht gegen die Interessen unserer Organisation stimmt". Das werde sicher nicht der Fall sein, hält Tanda gegenüber der TT fest. Und: „Ich gehe davon aus, dass im Klub diskutiert und um gemeinsame Lösungen gerungen wird. Ich wurde als Expertin für Gesundheit und Soziales geholt." Aber wenn es dennoch hart auf hart gehe, wie würde sie sich verhalten? „Ich werde mich sicher nicht gegen meine Überzeugung einem Klubzwang unterwerfen", betont Tanda selbstbewusst und vorerst unerschütterlich. (pn)