Letztes Update am Fr, 16.08.2019 15:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WKStA-Ermittlungen

Ibiza-Affäre: ÖVP-Klagsdrohung sorgt für Wirbel

Die Volkspartei will mit dem „Ibiza-Video“ nichts zu tun haben und droht mit rechtlichen Schritten gegen jene, die Gegenteiliges behaupten. Die Staatsanwälte sehen die Drohung gelassen. Die FPÖ hält indes einen Zusammenhang zwischen den Türkisen und der „Ibiza-Affäre“ für plausibel.

Die WKStA hält einen Konnex zwischen dem Ibiza-Video und dem Schreddern von Festplatten durch einen ÖVP-Mitarbeiter für möglich und ermittelt. Die Kurz-Partei reagierte empört und drohte mit Klagen.

© APADie WKStA hält einen Konnex zwischen dem Ibiza-Video und dem Schreddern von Festplatten durch einen ÖVP-Mitarbeiter für möglich und ermittelt. Die Kurz-Partei reagierte empört und drohte mit Klagen.



Wien — Die Drohung der ÖVP, jeden zu klagen, der behauptet, die Volkspartei habe etwas mit dem Ibiza-Video zu tun, hat am Freitag für Aufregung in Österreichs Parteienlandschaft gesorgt. Dass die ÖVP die Justiz attackiert, sei eine „unfassbare Grenzüberschreitung", hieß es dazu aus der SPÖ. Die FPÖ findet den Zusammenhang zwischen Ibiza-Video und der Schredder-Affäre in der ÖVP durchaus „plausibel".

Am Mittwoch war eine Anfragebeantwortung von Justizminister Clemens Jabloner an die NEOS bekannt geworden. Aus dieser geht hervor, dass die WKStA einen Konnex zwischen dem Ibiza-Video und dem Schreddern von Festplatten durch einen ÖVP-Mitarbeiter für möglich hält. Die ÖVP hatte daraufhin mit Empörung reagiert und ortete „einen unglaublichen Schmutzkübel-Wahlkampf". Man habe „mit dem Ibiza-Video und einer möglichen illegalen Parteienfinanzierung der FPÖ nichts zu tun", hieß es. Zudem wurden rechtliche Schritte angekündigt: „Wer etwas anderes behauptet, wird geklagt."

Cornelia Koller, Präsidentin der Staatsanwälte-Vereinigung, verteidigte das Vorgehen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) am Freitag im Ö1-"Mittagsjournal". Es sei alles „völlig korrekt" abgelaufen, sagte sie. Die WKStA prüfe Inhalte und leitet — wenn notwendig — Ermittlungsverfahren ein. Etwas anderes sei nicht passiert.

Die Behörde an sich könne außerdem gar nicht geklagt werden, berichtete Koller am Freitag. Rein theoretisch: Wenn ein Fehler passiert, aus dem ein Schaden für jemanden resultiert, könne höchstens die Amtshaftung schlagend werden. Der einzelne Staatsanwalt müsse aber geschützt werden, so Koller.

FPÖ: Verdacht wird „immer konkreter"

Der ehemalige Koalitionspartner FPÖ zog die ÖVP am Freitag weiter in den Ibiza-Sumpf hinein und nannte einen Zusammenhang zwischen Ibiza-Gate und Schredder-Affäre „plausibel". Dass die WKStA das erkannt habe und nun Ermittlungen durchführe, sei „zu begrüßen", sagte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky in einer Aussendung und ließ mit einer weiteren Mutmaßung aufhorchen: „Der Verdacht, dass nicht nur NEOS und SPÖ, sondern vor allem auch die ÖVP bereits seit Sommer 2017 vom Ibiza-Video Kenntnis hatte, wird immer konkreter." Damit nahm Vilimsky auch Bezug auf einen äußerst spekulativen Beitrag des Online-Portals oe24.at. Er forderte die ÖVP auf, „konkret Stellung zu beziehen".

Verärgert über die Rechtfertigungen der ÖVP reagierte am Freitag auch die SPÖ. Mit scharfen Worten wandte sich etwa SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim gegen Versuche der ÖVP, die Justizermittlungen zur Schredder-Causa als „Wahlkampf-Schmutzkübelkampagne" zu diffamieren. Jarolim forderte die ÖVP auf, dringend „in den Rahmen rechtsstaatlichen Agierens zurückzukehren". SPÖ-Wahlkampfmanager Christian Deutsch wertete die Unterstellungen der ÖVP als „unfassbare Grenzüberschreitung". Die Volkspartei müsse ihre Angriffe auf die Justiz „sofort einstellen und diese arbeiten lassen", so Deutsch in einer Aussendung.

Drozda: „Erschreckende Bilanz"

Laut SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda offenbare das Bekanntwerden der 19 Ermittlungsbestände gegen Ex-FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache und Ex-FPÖ-Klubobmann Johann Gudenus rund um die Ibiza-Affäre „eine erschreckende Bilanz der 17 Monate Türkis-Blau". ÖVP-Chef Sebastian Kurz müsse „endlich Verantwortung dafür übernehmen, dass er diese FPÖ in die Regierung geholt und unsere Republik damit massiv gefährdet hat", so Drozda.

Auch die NEOS hatten sich kritisch über die Reaktion der ÖVP zu den Ermittlungen der WKStA geäußert. NEOS-Justizsprecherin Irmgard Griss hatte sich „überaus verwundert" gezeigt und ein Ende der „Einschüchterungsversuche" gefordert.

ÖVP sieht "Schmutzkübel-Koalition"

Die ÖVP forderte am Freitag ein Ende der Angriffe auf Parteichef Sebastian Kurz und die Volkspartei. Diese "Schmutzkübel-Koalition aus SPÖ, FPÖ, NEOS und Pilz soll endlich ihr Handwerk der dauerhaften Anpatzerei von Sebastian Kurz einstellen", teilte ein ÖVP-Sprecher mit. Die ÖVP habe weder mit dem Ibiza-Video noch mit dem angeblichen FPÖ-Novomatic-Deal etwas zu tun, hieß es weiter. Ob die Drohung eventueller Klagen auch gegen die Staatsanwaltschaft gerichtet war, ließ die ÖVP weiter offen. (APA)





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