Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 20.08.2019


Innenpolitik

Ein Debüt — und viele Probleme für FPÖ-Chef Norbert Hofer

Der designierte FPÖ-Chef Norbert Hofer war erstmals zum ORF-Sommergespräch mit Moderator Tobias Pötzelsberger geladen.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: APA/Hochmuth</span>

© APADer designierte FPÖ-Chef Norbert Hofer war erstmals zum ORF-Sommergespräch mit Moderator Tobias Pötzelsberger geladen.Foto: APA/Hochmuth



Es war ein Debüt für Norbert Hofer. Er war gestern Abend zum ORF-Sommergespräch geladen, das es Jahr für Jahr mit den Chefs der Parlamentsparteien gibt.

Hofer steht ja nun den Freiheitlichen vor — wenn auch noch nicht formal. Gewählt werden muss der vormalige Verkehrsminister bei einem Parteitag; Mitte September geht dieser in Graz vonstatten — zwei Wochen vor der Nationalratswahl. Bei dieser ist Hofer Spitzenkandidat.

Im Vorfeld des Parteitages mehren sich Hinweise auf einen internen Richtungskampf bei den Blauen. Hofer wird als Gemäßigter wahrgenommen, der nach der Wahl die Koalition mit der ÖVP fortführen will. Dies will zwar auch der frühere Innenminister Herbert Kickl, doch dieser ist im Wahlkampf wesentlich angriffslustiger gegenüber dem Ex-Regierungspartner ÖVP. Hofer und Kickl wollen von Differenzen nichts wissen. Oberösterreichs FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner nennt die Stimmung in der FPÖ gut, ein „Knittelfeld 2.0, 3.0 gibt es nicht“ — und sagt, dass seine Landesgruppe „zu 100 Prozent hinter Norbert Hofer“ stehe.

2018 war, wie in den Jahren davor, Heinz-Christian Strache beim Sommergespräch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Seit Mai dieses Jahres ist Strache seine Polit-Jobs — Vizekanzler und Parteiobmann — los. Wegen des publik gewordenen Ibiza-Videos. Auch der türkis-blaue Regierungsbund war ob dieses Skandals Geschichte.

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Im Sommer 2017 hatte Strache in einer Villa auf der Baleareninsel, mit Parteifreund Johann Gudenus an der Seite, vor einer vermeintlichen russischen Oligarchin unlautere Polit-Absichten geäußert; via Video wurde das heimlich dokumentiert.

In Erklärungsnot sind die Freiheitlichen auch wegen der Casinos-Causa. Eine Hausdurchsuchung hat es bei Strache gegeben. Dieser stilisiert sich zum Opfer — und schließt nicht aus, in die Politik zurückzukehren. Vor der Wien-Wahl im kommenden Jahr könnte das sein. Und: Strache attackiert die ÖVP, auf die er zu Regierungszeiten Loblieder gesungen hat, verbal. Zum Missfallen Hofers. Dieser möchte nach der Wahl Vizekanzler sein. (kale)


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