Letztes Update am Di, 20.08.2019 13:56

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1951-2019

Rudolf Hundstorfer: ÖGB-Retter, Minister und nah an Hofburg

Mit erst 67 Jahren verstarb Rudolf Hundstorfer am Dienstag. Der SPÖ-Spitzenpolitiker hatte eine bewegte Karriere hinter sich. Nur die Krönung blieb ihm 2016 bei der Präsidentschaftswahl versagt.

Ex-Sozialminister und Bundespräsidentschaftskandidat der SPÖ Rudolf Hundstorfer 2016 auf dem Parteitag.

© APA/OCZERETEx-Sozialminister und Bundespräsidentschaftskandidat der SPÖ Rudolf Hundstorfer 2016 auf dem Parteitag.



Wien – Der verstorbene Ex-Minister Rudolf Hundstorfer (67) hat eine lange Polit-Karriere hinter sich. Der als leutselig und beliebt beschriebene Wiener galt vielen als „Retter“ des ÖGB, im Anschluss folgte der „logische“ Wechsel ins Sozialministerium. Den Abschluss bildete die (gescheiterte) Präsidentschaftskandidatur. Aktiv blieb Hundstorfer bis zuletzt, etwa als Präsident der Bundes-Sportorganisation.

Aus finanzschwachen Verhältnissen arbeitete sich der 1951 geborene Hundstorfer im Wiener Rathaus vom Kanzleimitarbeiter bis zum Chef der Gemeindebediensteten-Gewerkschaft hoch, ohne die in Wien bis heute so gut wie gar nichts geht. Nebenbei wurde er Anfang der 1990-er Jahre Abgeordneter des Wiener Landtags und Gemeinderats, in dem er von 1995 bis 2007 auch den Vorsitz führte.

ÖGB-Krise mit Hundstorfer überwunden

Die große Karriere kam spät: Als nach dem BAWAG-Debakel niemand so recht an die Spitze des ÖGB wollte, übernahm dort Hundstorfer im Jahr 2006 das Ruder und profilierte sich: Dass der Gewerkschaftsbund seine größte Krise übertauchen konnte, gilt auch als dessen Mit-Verdienst.

Als Retter des ÖGB war dann nach der Nationalratswahl 2007 sein Wechsel ins Sozial- und Arbeitsministerium im Jahr 2008 (unter Rot-Schwarz im Kabinett Werner Faymann) fast schon die logische Folge. Dort blieb Hundstorfer gut sieben Jahre. Anfangs profitierte Hundstorfer von den guten Daten am Arbeitsmarkt und schaffte ohne Aufstand eine gar nicht so kleine Pensionsreform. Auch wurde unter seiner Ära die Ausbildungsgarantie in die Wege geleitet.

Nur Vierter bei Hofburg-Wahl 2016

Sein letzter großer politische Schritt blieb ihm verwehrt: Als Bundespräsidentschaftskandidat der SPÖ scheiterte er 2016 bei der letzten Hofburg-Wahl in der ersten Runde und wurde nur Vierter. Dabei war Hundstorfer kein Verlegenheitskandidat: wer ihn kannte wusst, dass er gerne die Nachfolge Heinz Fischers angetreten hätte. Im Wahlkampf schien der stets mit hohen Beliebtheitswerten ausgestattete Ex-Sozialminister dann aber zunehmen missmutig; Beobachter meinten damals, ihm habe es auf den Magen geschlagen, dass ihm die Herzen plötzlich nicht mehr automatisch zuflogen. Zudem kamen seine rhetorischen Defizite in einem Medien-Wahlkampf deutlicher zu Tage als seine zweifelsohne vorhandene Gabe, mit dem Volk im direkten Kontakt auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Nach seinem Aus im Präsidentschaftswahlkampf blieb Hundstorfer bis zuletzt als Funktionär aktiv. Kurz nach der gescheiterten ersten Runde der Präsidentschaftswahl wurde der in dritter Ehe verheiratete Vater einer Tochter im November 2016 zum neuen Präsidenten der Österreichischen Bundes-Sportorganisation (BSO) gewählt, dem er bis zu seinem Tod vorstand.

Letzter Auftritt erst vor einer Woche

Darüber hinaus fungierte Hundstorfer seit Mai 2018 auch als Präsident der Volkshilfe Wien. In dieser Funktion hatte er erst am Dienstag der vergangenen Woche seinen letzten öffentlichen Auftritt. „Hinsehen, wo andere wegsehen – helfen, wo sich andere taub stellen. Das ist das Credo der Volkshilfe Wien und unser zentraler Ansatz der Wohnungslosenhilfe“, sagte Hundstorfer anlässlich der Eröffnung einer neuen Sozialeinrichtung für obdach- und wohnungslose Menschen in Wien-Donaustadt. (APA)