Letztes Update am Mi, 28.08.2019 06:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

Heeresflieger in Turbulenzen: Kampfjets mit Ablaufdatum

Das Bundesheer lädt nächste Woche zur fliegerischen Leistungsschau nach Zeltweg. Wie es mit der Luftraumüberwachung weitergeht, ist aber völlig offen. Fix ist nur, dass Milliardeninvestitionen nötig sind.

Eurofighter in der Fliegerwerft in Zeltweg: Ohne Modernisierung und Aufrüstung droht ab 2022 der Stillstand.

© APA/SchneiderEurofighter in der Fliegerwerft in Zeltweg: Ohne Modernisierung und Aufrüstung droht ab 2022 der Stillstand.



Von Wolfgang Sablatnig

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Wien – Für die Saab 105 des Bundesheeres wird die „Airpower“-Flugshow nächste Woche in Zeltweg eine erste Abschiedsvorstellung: Im Jahr 2020 muss der reguläre Betrieb mit diesen Maschinen eingestellt werden. Fragen zur Nachfolge und zur Zukunft der Luftraumüberwachung überhaupt sind aber offen. Zuletzt hat eine Kommission im Auftrag des damaligen Verteidigungsministers Mario Kunasek (FPÖ) im Juni 2018 einen Bericht dazu vorgelegt und rasche Entscheidungen eingefordert, um einen „Verlust der Fähigkeit zur aktiven Luftraumüberwachung“ zu verhindern.

Entschieden hat die türkis-blaue Regierung von Sebastian Kurz (ÖVP) aber nichts. Und bis eine neue Koalition dies nachholt, wird es dauern. Damit droht eine Lücke: Schon mit dem Wegfall der Saab 105 wäre die Luftraumüberwachung „selbst in der jetzigen eingeschränkten Form“ ab 2020 nicht mehr durchführbar, warnen Kunaseks Experten in dem 34-seitigen Papier, das der TT vorliegt. Und ab 2022 drohe ohne eine Aufrüstung und Modernisierung zudem ein Stillstand der Eurofighter, die einst ohne „vollständige Grundausrüstung“ beschafft worden seien.

Für die Zukunft schlagen die Experten mehrere Varianten vor. Auf die Frage, ob sich Bundesheer und Republik vom Eurofighter verabschieden sollen, wie es Kunaseks Vorgänger Hans Peter Doskozil (SPÖ) anstrebte, geben sie keine klare Antwort. Zwar wäre auf 30 Jahre gerechnet der Umstieg auf eine „Alternativflotte“ – gemeint ist der schwedische Gripen – günstiger. Die Differenz wäre laut diesem Bericht aber geringer, als sie eine Kommission unter Doskozil ein Jahr zuvor ausgewiesen hat. Nur den Umstieg auf gebrauchte amerikanische F-16 lehnt die Kommission ab.

Die zu erwartenden Kosten geben die Experten des Verteidigungsministeriums in Bandbreiten an. Am teuersten wäre auf die kürzere Frist von zehn Jahren mit bis zu 3,16 Mrd. Euro der Umstieg auf Gripen. Die zwei Varianten mit dem aufgerüsteten Eurofighter würden mit maximal 3 bzw. 2,6 Mrd. Euro zu Buche schlagen – abhängig davon, ob die Flotte um drei Doppelsitzer-Maschinen für die Ausbildung ergänzt wird.

Nach 30 Jahren wäre das Verhältnis umgekehrt: Weil die Eurofighter im Betrieb teurer sind, werden die Gesamtkosten für das System Gripen dann auf höchstens 7,2 Mrd. Euro geschätzt. Die Eurofighter-Varianten würden bis zu 8,3 bzw. 7,5 Mrd. Euro kosten.

Für dieses Geld würde das Bundesheer am Ende über eine Flotte von bis zu 18 Überschall-Kampjets verfügen. Dazu kämen zehn Trainingsjets für die Grundausbildung.

Die Experten schlagen aber vor, die Luftraumüberwachung damit auch qualitativ zu verbessern: Einsatzflüge wären nur mehr mit den Überschalljets vorgesehen.

Unsichere Propeller: Hercules am Boden

In diesem Fall ist die Ursache für den Ausfall nicht in der notorischen Finanznot des Bundesheeres zu suchen: Nach einer internationalen Sicherheitswarnung wegen des Absturzes einer Maschine müssen bei Hercules-Transportmaschinen weltweit Propellerblätter getauscht werden. Dieses „Grounding“ betrifft auch die drei österreichischen Flugzeuge dieses Typs.

Für das Bundesheer ist der Ausfall doppelt bitter. Er kostet erstens Geld, das ohnehin nicht vorhanden ist, weil für die Versorgung der Auslandskontingente des Heeres am Balkan und im Libanon nun entweder Speditionen bezahlt oder private Transportmaschinen gemietet werden müssen.

Der Ausfall betrifft zweitens die „Airpower“, bei sich die Luftstreitkräfte in der kommenden Woche in Zeltweg eigentlich von der besten Seite zeigen wollen. Nun hoffen die Militärs, dass eine Maschine auf dem Rückweg von der Reparatur in Großbritannien zumindest einen Überflug präsentieren kann. Vorführungen, wie sie bei vergangenen Flugshows zu sehen waren, fallen aber definitiv aus. (sabl)