Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.09.2019


Innenpolitik

Integrationsbericht: Mehr als jeder Fünfte hat Migrationshintergrund

Fazit des Integrationsberichts: Netto-Zuwanderung nach Österreich ist um 21 Prozent gesunken, Flüchtlinge fassen am Arbeitsmarkt langsam Fuß.

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Von Serdar Sahin

Wien – Eine Reihe von Zahlen, Daten und Fakten liefert der alljährliche Integrationsbericht. So auch heuer. Erstmals übernahm Integrationsminister Alexander Schallenberg die Präsentation. Es gebe erste positive Entwicklungen, etwa am Arbeitsmarkt, befand der Ressortchef. Doch Integration bleibe eine Herausforderung. Ein Überblick:

Bevölkerung: Im Jahr 2014 lebten 1,54 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Österreich. Im Vorjahr waren es rund zwei Millionen. Mehr als ein Fünftel der Gesamtbevölkerung (23,3 Prozent) hat demnach Migrationshintergrund.

Zuwanderung: 146.900 Menschen sind 2018 in Österreich eingewandert, verlassen haben das Land 111.600 Personen. Die Netto-Zuwanderung beträgt also 35.300. Das sind um 21 Prozent weniger als 2017. Der Grund laut Integrationsbericht: starker Rückgang bei Migranten aus Drittstaaten und weniger Asylsuchende. 13.746 Asylanträge gab es im vergangenen Jahr – das entspricht in etwa dem Niveau des Jahres 2011. Mehr als die Hälfte der Zuwanderer kommt aus EU- bzw. EFTA-Staaten.

Bildung: Im Schuljahr 2017/2018 waren rund 15,5 Prozent der Schüler in Österreich ausländischer Staatsangehörigkeit – 14,8 Prozent waren es im Jahr davor. Rund 26 Prozent der Schüler – also rund jedes vierte Kind – verwendete nicht Deutsch als Umgangssprache. Österreichweit wurden im Schuljahr 2017/18 40.600 Schüler sprachlich gefördert. Unter den Bundesländern hat Wien mit 16.324 die meisten sprachlich geförderten Schüler, gefolgt von Vorarlberg (6598) und Tirol (4550).

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Arbeitsmarkt: Ausländer sind von Arbeitslosigkeit stärker betroffen als Österreicher. 11,3 Prozent der Einwanderer hatten 2018 keinen Job – 2017 waren es noch 12,5 Prozent. Zum Vergleich: Die Arbeitslosenrate bei Österreichern lag bei 6,7 Prozent. Die Erwerbsbeteiligung bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund blieb konstant bei 75 Prozent, bei Menschen aus Afghanistan, Syrien und dem Irak lag sie bloß bei 36 Prozent. Doch: Binnen eines Jahres ist letzterer Prozentsatz von 27 Prozent ordentlich angestiegen. Und: Mittlerweile gehen 53 Prozent der seit 2011 nach Österreich gekommenen Asylwerber einer Tätigkeit nach.

Soziales: 308.200 Menschen haben im vergangenen Jahr Mindestsicherung bezogen – rund ein Drittel davon waren Asylwerber. Im Vergleich zum Vorjahr haben zehn Prozent weniger Österreicher Mindestsicherung erhalten, die Zahl der ausländischen Mindestsicherungsbezieher hat um ein Prozent zugenommen. Deutlich mehr Asylwerber haben in Kärnten Sozialhilfe bekommen – plus zehn Prozentpunkte. Gefolgt vom Burgenland mit sechs Prozentpunkten und Tirol (+5 PP). Die Hälfte der Bezieher in Österreich (ohne Wien) sind ausländische Staatsangehörige. In Wien, Tirol und Kärnten lag der Anteil ausländischer Mindestsicherungsbezieher bei über 50 Prozent. In der Bundeshauptstadt leben knapp 60 Prozent der Sozialhilfe-Bezieher. Die Vorsitzende des Expertenrats für Integration, Katharina Pabel, erklärt die Zahlen folgendermaßen: Die steigende Tendenz sei eigentlich nur logisch, seien doch jetzt auch viel mehr Asylverfahren abgeschlossen, womit beschäftigungslose Flüchtlinge ins Regime der Mindestsicherung fallen.

Familie: Im Vorjahr stellten 2300 Asyl- oder subsidiär Schutzberechtigte einen Antrag auf Familienzusammenführung – der Trend ist rückläufig. Ein wichtiger Bereich aus integrationspolitischer Sicht sei die Heiratsmigration. Was die Geschlechterrollen angehe, steht im Bericht, dass besonders in Herkunftsländern, aus denen der Großteil der nach Österreich geflüchteten Personen stammt, patriarchale Werte und Normen stark verankert seien. Diese Einstellung würde aber nicht von allen Geflüchteten befürwortet, heißt es.

Maßnahmen: Insgesamt wurden vom Österreichischen Integrationsfonds Werte- und Orientierungskurse für rund 19.400 Teilnehmer durchgeführt. Klare Kommunikation und explizite Vermittlung der Werte seien notwendig, um patriarchalische Strukturen aufzubrechen. Auch mit Blick auf den Anteil ausländischer Schüler mahnte eine der Autorinnen des Berichts, Gudrun Biffl, stärkere Investitionen in Sachen Spracherwerb ein. Pabel konstatierte: Jeder, der Bedarf an einem Deutschkurs habe, bekomme diesen auch.

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