Letztes Update am Sa, 12.10.2019 21:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vorarlberg-Wahl

Das Ländle wählt im Schatten des Bundes einen neuen Landtag

Ursprünglich hätte der Urnengang schon im September über die Bühne gehen sollen, doch Ibiza machte dem Ländle einen Strich durch die Rechnung. Außer Zweifel steht, dass die ÖVP Platz 1 erreichen wird.

Am Sonntag wird in Vorarlberg gewählt.

© APAAm Sonntag wird in Vorarlberg gewählt.



Bregenz — Zwei Wochen nach der Nationalratswahl wird am Sonntag in Vorarlberg der Landtag neu gewählt. Ursprünglich hätte der Urnengang schon am 22. September über die Bühne gehen sollen, doch Ibiza und die Folgen machten dem Ländle einen Strich durch die Rechnung.

Außer Zweifel steht, dass die ÖVP Platz 1 erreicht — angesichts der Dominanz der Partei in den vergangenen Jahrzehnten wenig überraschend. Auffallend war zuletzt das Werben aller anderen Parteien um eine Regierungsbeteiligung. Die Grünen wollen die Koalition mit der ÖVP weiter fortsetzen, auch Experten halten das für wahrscheinlich. Rund 270.000 Personen sind wahlberechtigt, das Ergebnis liegt aufgrund des frühen Wahlschlusses schon am Nachmittag vor.

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Letzte Mobilisierung gegen schwarze Absolute in Vorarlberg

Auch wenn das ÖVP-Ergebnis bei der Nationalratswahl vor zwei Wochen eher enttäuschend war, schicken die anderen Parteien das Gespenst einer schwarzen "Absoluten" durch das Wahlkampf-Finale in Vorarlberg. Nach den NEOS bei ihrem Schluss-Event am Donnerstag warnten am Freitag auch der Koalitionspartner Grüne sowie die Freiheitlichen vor einer drohenden Allmacht der Volkspartei.

Grüne rasen per Bahn in Richtung Wahlziel

Grünen-Spitzenkandidat Johannes Rauch hatte sich gleich eine ganze Schnellbahn-Garnitur gemietet, um unterstützt von der Bundesspitze auf der Strecke Bregenz-Bludenz noch einmal ordentlich Wählerkontakt zu bekommen. Seine Kernbotschaft bei der Reise: einen weiteren Ausbau des öffentlichen Verkehrs, eine Klima-Anleihe und eine fortgesetzte Offensive bei der Kinderbetreuung werde es nur geben, wenn die Grünen in der Regierung blieben. "Ohne Grün wird vieles wieder schwarz", warnte Bundessprecher Werner Kogler.
Ein Selbstläufer ist eine Fortsetzung der bisherigen Regierungsarbeit für Landesrat Rauch nicht, selbst wenn die ÖVP keine Absolute macht. Es gebe keinen Automatismus, dass eine Koalition fortgeführt werde.
Höchstes Wahlziel: FPÖ will ÖVP-Absolute verhindern

Schon aus dem Koalitionsrennen ausgeschieden sind die Freiheitlichen, weil Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) mit ihnen nicht will. Immerhin die "Absolute" will Spitzenkandidat Christof Bitschi verhindern, wie er bei seiner Abschluss-Pressekonferenz kundtat: "Wir werden alles geben, um das zu verhindern."

Sein eigenes Abschneiden wollte Bitschi ebenso wenig einschätzen wie Rauch. Während der Grüne meinte, 48 Stunden vor einer Wahl hätten Spitzenkandidaten kein Gefühl mehr, meinte Bitschi auf die Turbulenzen im Bund anspielend, dass angesichts der vergangenen Wochen eine Prognose nicht ganz einfach sei.

SPÖ fände "zweistelliges Ergebnis" super

Kleine Brötchen backen seit vielen Jahren die Sozialdemokraten im westlichsten Bundesland. So ist das Ziel von Spitzenkandidat Martin Staudinger auch äußerst bescheiden. Zweistelligkeit fände er super, wie er am Freitag sagte. Tatsächlich wäre das immerhin ein kleiner Zugewinn, hatte die SPÖ vor fünf Jahren doch mit nicht einmal neun Prozent nur noch relativ knapp den Klubstatus gehalten. Staudinger, der erstmals antritt, sähe nicht weniger als eine "historische" Wende, wenn es mit den Sozialdemokraten wieder bergauf geht.

So wählt Vorarlberg: Rekorde bei Wahlen, Landtag, Landeshauptleuten

Vorarlberg ist tiefschwarz: Die ÖVP war seit 1945 immer klar Erste, lange mit absoluter Mehrheit, und stellte alle Landeshauptleute. Die SPÖ ist dort schwach wie sonst nirgends in Österreich: Mit 8,77 Prozent erlitt sie bei der Landtagswahl 2014 ihr bisher einziges einstelliges Ergebnis aller Landes- und Bundeswahlen. Die FPÖ schwankte stark - und die Grünen sind aktuell stark wie sonst nirgends.
17,14 Prozent im Jahr 2014 waren österreichweit das zweitbeste Landtagsergebnis der Grünen - nach den 2018 wieder geschmälerten 20,18 Prozent in Salzburg 2013. In Vorarlberg war es ihr Topwert aller Wahlen seit dem Landtagseinzug 1984.
Umgekehrt musste die SPÖ 2014 den Absturz unter die - 2009 noch knapp gehaltene - 10er-Marke verschmerzen. Für sie war in Vorarlberg nie viel zu holen, das beste Ergebnis waren 29,54 Prozent im Jahr 1964.
Den schlechtesten Wert der Zweiten Republik musste 2014 auch die ÖVP hinnehmen. Der lag allerdings immer noch bei 41,79 Prozent. Erst zum zweiten Mal - nach 1999 - hat die ÖVP seither keine absolute Mehrheit mehr im Landtag. Die 70,22 Prozent des Jahres 1945 waren jedoch ein Ausreißer - üblicherweise lag die ÖVP immer zwischen 50 und 60 Prozent.
Prinzipiell immer schon stark war in Vorarlberg die FPÖ: Sie kletterte mehrfach auf über 20 Prozent, um dann aber immer wieder einmal abzustürzen. Allerdings nie unter 10,49 Prozent (1984). Die größte Zustimmung gab es 1999 mit 27,41 Prozent. Die FPÖ ist die Partei mit den größten Schwankungen im Lande: 2004 brach sie um 14,47 Prozentpunkte ein, 2009 legte sie um 12,18 zu.

Äußerst beständig waren hingegen die Landeshauptleute in Vorarlberg. Sie alle hielten sich lange im Amt - und so gab es bisher erst fünf, allesamt von der ÖVP. Am längsten im Amt hielt sich Herbert Keßler - für fast 23 Jahre von Oktober 1964 bis Juli 1987. Markus Wallner (ÖVP) wird die rote Laterne erst in der nächsten Periode los: Denn er bringt es (seit Dezember 2011) erst auf fast acht Jahre. Und der bisher kürzest dienende Landeshauptmann war Martin Purtscher mit knapp zehn Jahren.

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