Letztes Update am Mo, 14.10.2019 12:42

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vorarlberg-Wahl

Ibiza liegt auch am Bodensee: FPÖ stürzt auch im Ländle ab

Der junge Hoffnungsträger Christof Bitschi konnte die Erwartungen der Freiheitlichen bei der Landtagswahl am Sonntag nicht erfüllen. Der Rückfall auf Platz drei ist eine herbe Niederlage für die Blauen.

Bitschi gelang es nicht, sich vom Bundestrend abzukoppeln.

© APABitschi gelang es nicht, sich vom Bundestrend abzukoppeln.



Bregenz – Wenn eines am Wahlsonntag in Vorarlberg schon früh feststand, dann war es der Verlierer des Urnengangs, und der heißt Christof Bitschi. Dem jungen Hoffnungsträger der örtlichen Freiheitlichen gelang es nicht, sich vom Bundestrend abzukoppeln. Der Rückfall auf Platz drei gerade hinter die Grünen ist eine herbe Niederlage.

Bitschi alleine wird dafür kaum wer verantwortlich gemacht werden. Denn er hatte mit einem regelrechten Orkan vom Bund als Gegenwind zu kämpfen. Ibiza- und Spesen-Affäre machten die Ausgangslage für die Ländle-Blauen nämlich äußerst delikat. Dass er sein ursprüngliches Ziel von zumindest 20 Prozent nicht einhalten wird können, deutete sich schon länger an.

Die Schuhe waren wohl doch zu groß

Das gestrige Ergebnis ist dann doch noch einmal deutlich unter den Erwartungen, und das wird wohl zu einem kleinen Teil auch dem 28-Jährigen aus der Tourismus-Gemeinde Brand angekreidet werden. Offenbar waren ihm die Schuhe doch zu groß, die seine Vorgänger Hubert Gorbach und Dieter Egger hinterlassen hatten.

null
-

Eine Regierungsrückkehr wäre für die FPÖ auch bei einem besseren Ergebnis illusorisch gewesen. Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) hatte längst klar gestellt, dass er mit den Freiheitlichen nicht will. Bitschi habe sich zu spät und zu halbherzig vom früheren FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache distanziert, befand der Landesobmann der Volkspartei.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Harter Kurs im jugendlichen Kleid

Bitschi an die Spitze zu hieven hatte für die Partei auch so etwas wie einen nachhaltigen Richtungswechsel. Waren seine Vorgänger für ein liberales Element in der Partei gestanden, verkörperte Übergangschef Reinhard Bösch bereits einen „härteren“ und in seiner Ausrichtung typischen FPÖ-Politiker. Bitschi, der vor fünf Jahren erstmals in den Landtag einzog, setzte diesen Kurs im jugendlicheren Kleid mit kantiger Rhetorik fort.

Es ist auch kein Zufall, dass Bitschi Sicherheit und Migration als Kernthemen pflegte. Auf Facebook tritt der 28-Jährige auf Fotos und in Videobeiträgen sehr heimat- und traditionsverbunden, hemdsärmelig und als „Anpacker“ auf, nicht zufällig betonte er den Besuch des Gottesdiensts am Wahlsonntag. Gegenüber den anderen Landtagsparteien zeigt Bitschi Kanten, wann immer es ihm notwendig erscheint.

In den kommenden Monaten gilt es für den Obmann wohl Wiederaufbau-Arbeit zu leisten und zu hoffen, dass die Themenkonjunktur wieder der FPÖ in die Karten spielt. Dass er angesichts der dramatischen Verluste selbst ins Straucheln kommt und ins Transportunternehmen der Familie heimkehren muss, gilt als unwahrscheinlich. Aussichtsreiche innerparteiliche Konkurrenz zeichnet sich nicht ab, zudem hat Bitschi für das Abschneiden am Sonntag mit Blick auf Ibiza eine gute Ausrede parat. (APA)