Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 21.10.2019


Innenpolitik

Ex-Geschäftsführer Lercher ortet Intrige: Verwerfungen in der SPÖ

Der einstige Geschäftsführer Max Lercher ortet eine Intrige gegen ihn.

Die jetzigen Parteioberen bestreiten, Interna nach außen getragen zu haben.

SPÖ-Chefin Rendi-Wagner und SPÖ-Manager Deutsch kommen mit der Partei nicht aus der Krise.

© APASPÖ-Chefin Rendi-Wagner und SPÖ-Manager Deutsch kommen mit der Partei nicht aus der Krise.



Von Karin Leitner

Wien – In der SPÖ geht es drunter und drüber. Die Streitereien werden auch öffentlich ausgetragen. „Einmal mehr wurden Interna nach außen getragen, was ausgesprochen ärgerlich ist“, befindet Parteimanager Christian Deutsch in einem Schreiben an die Vorstandsmitglieder.

Der Grund für die Verwerfungen: Ein Boulevardblatt hat – nach der SPÖ-Vorstandssitzung vom vergangenen Freitag – über einen angeblichen Beratervertrag zwischen der SPÖ und ihrem Ex-Manager Max Lercher, der die Bundespartei immer wieder bekrittelt, berichtet.

Lercher bestreitet, dass es ein derartiges mit 20.000 Euro dotiertes Abkommen gibt. Er bekomme davon „keinen Cent“, er verdiene 6000 Euro brutto im Monat als Geschäftsführer der Leykam Medien AG; die gehört mehrheitlich der steirischen SPÖ, der Lercher entstammt.

Es werde versucht, ihn „zu beschädigen“, sagt dieser. Der „letztklassige Angriff aus den eigenen Reihen“ werde ihn aber „keine Sekunde daran hindern, „auch weiterhin zu kritisieren, wenn sich die SPÖ zusehends von den Menschen entfernt“.

Der steirische Parteichef Michael Schickhofer verlangte gestern „sofortige Aufklärung darüber, wer für diese Falschmeldungen verantwortlich ist“. Der burgenländische SPÖ-Geschäftsführer Roland Fürst sagte: „Sollte diese Aktion wirklich aus der Partei gestartet worden sein, muss es eine Aufklärung und Konsequenzen geben.“ In diesem Fall müssten die Verantwortlichen gefunden – und „im hohen Bogen aus der Partei geschmissen werden“.

Lercher polarisiere „und macht sich damit nicht nur Freunde“, befand Schickhofer: „In der Öffentlichkeit aber seinen Ruf zerstören zu wollen, ist letztklassig.“ Der niederösterreichische Mandatar Andreas Kollross sprach via Twitter von einem „Foul an Max Lercher aus der Löwelstraße“ (dort ist die Parteizentrale). JG-Vorsitzende Claudia O’Brien monierte via Facebook eine „bewusste Falschdarstellung gegenüber den Mitgliedern des Bundesvorstandes“. Deutsch sei der Unterschied zwischen einem Beratervertrag (mit Lercher) und einem Leistungsvertrag (mit der von ihm geführten Firma Leykam) wohl bekannt.

In der Parteizentrale verwahrte man sich gegen den Vorhalt, die Causa publik gemacht zu haben. „Ich weise den Vorwurf zurück, dass das aus der Löwelstraße kommt. Von der Löwelstraße geht ein einziges Signal aus: dass die Selbstbeschäftigung ein Ende haben muss“, sagte der SPÖ-Kommunikationschef.

Parteimanager Deutsch hat den Vorständlern und Landesgeschäftsführern eine „Klarstellung“ übermittelt, die der Tiroler Tageszeitung vorliegt. Bei der Sitzung in Wien sei er „den Forderungen der Jugendorganisationen und einer Landesorganisation nach mehr Transparenz nachgekommen“ – und habe „ordnungsgemäß und korrekt über Vertragspartner, Laufzeit und Höhe von Verträgen mit externen Dienstleistern informiert“. Er habe auch berichtet, „dass es einen Vertrag mit der Leykam AG gibt, der mit dem Geschäftsführer Max Lercher abgeschlossen wurde“. Ob des nötigen ambitionierten Sanierungskurses der Bundespartei habe er darauf hingewiesen, „dass sämtliche Verträge evaluiert, überprüft und auch unter dem Gesichtspunkt eines vorzeitigen Vertragsendes zu beurteilen wären“. In diesem Zusammenhang habe er auch erwähnt, dass er auf das Dienstauto verzichten werde.


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