Letztes Update am Sa, 26.10.2019 20:27

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nationalfeiertag

Nationalfeiertag: Van der Bellen appelliert an das Gemeinsame

Bundespräsident Alexander Van der Bellen forderte erneut, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen. Lobende Worte fand Van der Bellen erneut für die Verfassung.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen anlässlich der Angelobung von Bundesheer-Rekruten im Rahmen der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag.

© APABundespräsident Alexander Van der Bellen anlässlich der Angelobung von Bundesheer-Rekruten im Rahmen der Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag.



Wien — Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat in seiner TV-Ansprache am Nationalfeiertag das Gemeinsame in den Fokus gestellt. „Im Gemeinsamen liegt oft die bessere Lösung", sagte er und forderte erneut, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen. Um diese Suche nach dem Gemeinsamen gehe es auch bei den Gesprächen zur Regierungsbildung, spielte Van der Bellen auf die aktuelle politische Lage an.

„Wir brauchen das Aufeinander-Zugehen. Wir brauchen das Verbinden vermeintlicher Gegensätze", führte Van der Bellen dem TV-Publikum am Feiertag vor Augen. „Selbst wenn wir noch so unterschiedlicher Meinung sein mögen: Wenn es uns gelingt, dem anderen vorurteilsfrei zuzuhören, uns vielleicht auch in ihn oder sie hineinzuversetzen und zu akzeptieren, dass die Welt nicht nur aus Schwarz oder Weiß besteht, dann können wir zu einer neuen Lösung kommen, die besser für alle ist", sagte der Bundespräsident. „Weil es eine gemeinsame Lösung ist." Sich miteinander an einen Tisch zu setzen und etwas auszureden sei für ihn eine „unserer österreichischen Grundtugenden".

Auf das „entweder/oder" verzichten

Für manche Probleme der Zukunft brauche man allerdings nicht nur „das Gemeinsame in Österreich, sondern das Gemeinsame in Europa und der ganzen Welt", sagte Van der Bellen und bezog sich dabei etwa auf den Klimaschutz. Allgemein rief er dazu auf, öfter einmal auf das „entweder/oder" zu verzichten und es durch ein „und" zu ersetzen. „Sie werden sehen, es geht", ermutigte das Staatsoberhaupt und nannte als Beispiele: „Wirtschaft und Klimaschutz, Freiheit und Verantwortung, Menschenrechte und Menschenpflichten."

Zu Beginn seiner Rede stimmte Van der Bellen erneut ein Loblied auf die österreichische Bundesverfassung an. „Ich glaube, sie ist es wert, an einem Tag wie diesem einmal gewürdigt zu werden", sagte er. Ihr Grundstein sei in den frühen Jahren der Republik gelegt worden - „von Menschen, die recht unterschiedlicher politischer Auffassung waren", so Van der Bellen. Und obwohl es damals „wirtschaftlich dramatisch schwieriger war als heute" und es „tiefe Gräben zwischen den politischen Lagern gab" hätten sich die Verhandler an einen Tisch gesetzt und „trotz allem eine gemeinsame Grundlage für unsere Demokratie und unsere Republik geschaffen", fand er lobende Worte und sprach in Anspielung auf die Ibiza-Affäre von einem Regelwerk, das „gerade in Zeiten unvorhersehbarer Ereignisse Sicherheit und Orientierung bietet". Daher verkörpere die Entstehung der österreichischen Bundesverfassung für ihn etwas, was das „Österreichische" im besten Sinn des Wortes ausmache. „Nämlich, dass es zum Wohl aller ist, wenn man miteinander redet", so Van der Bellen.

Den Nationalfeiertag sieht Van der Bellen auch als Anlass, dankbar zu sein. „Ein Tag wie dieser ist eine gute Gelegenheit für uns alle, die wir das Glück haben, in Österreich zu leben, einmal kurz inne zu halten und daran zu denken, was für ein großartiges Land wir geschaffen haben - gemeinsam. Darauf können wir alle gemeinsam auch ein bisschen stolz sein", sagte der Bundespräsident. (APA)