Letztes Update am Mi, 30.10.2019 17:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


118. Tag

Grasser-Prozess: Diskrete Geschäfte mit Buwog-Geld in Liechtenstein

Im Grasser-Prozess sagte am Mittwoch der erste Zeuge des Tages zu den Geldtransaktionen von der Astropolis nach Liechtenstein aus.

Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser.

© APAEx-Finanzminister Karl-Heinz Grasser.



Wien – Am 118. Tag im Grasser-Korruptionsprozess haben heute drei Zeugen ausgesagt, die mit dem Geldtransfer der Buwog-Millionenprovision nach Liechtenstein und weiteren Geldflüssen befasst waren. Dabei spielte Diskretion eine große Rolle, statt Banküberweisungen wurden Bargeldtransfers gemacht. Alle drei Zeugen wurden per Videokonferenz aus dem Wiener Straflandesgericht befragt.

Der erste Zeuge des heutigen Tages, Alexander B., schilderte den Transfer der Buwog-Millionenprovision von der zypriotischen Gesellschaft Astropolis von Peter Hochegger auf Konten in Liechtenstein. Dazwischengeschaltet wurde auf Wunsch von Walter Meischberger eine „Servicegesellschaft“, die Omega International mit Sitz im US-Bundesstaat Delaware. 7,9 Millionen Euro flossen in mehreren Tranchen von der Astropolis zur Omega. Vom Konto der Omega wurde das Geld in bar in der Hypo Investmentbank in Liechtenstein abgehoben und anschließend auf drei Konten bei der gleichen Bank - Natalie, Karin und 400.815 – verteilt wieder eingezahlt. Diese Barzahlungen „bar aus, bar ein“, seien früher gängige Praxis gewesen, meinte der Zeuge.

Die Barabhebung vom Omega-Konto hat der Zeuge vorgenommen. Dazu sei er in die Bank gegangen und habe einen Beleg unterzeichnet. Später habe er den Beleg mit der Empfangsbestätigung von Meischberger erhalten, den er aber nie in der Bank getroffen habe. Er habe das Bargeld immer in der Bank gelassen, meist bei einem Bankberater Meischbergers, sagte der Zeuge aus. Für ihr „Service“ erhielt die Omega fünf Prozent der Geldsumme, exakt 372.000 Euro. Er habe auch die dazugehörigen Verträge zwischen Omega und Astropolis bzw. Omega und Meischberger mit ausgearbeitet, so der Zeuge. Meischberger habe ihm damals gesagt, es gehe um Erträge aus Immobiliengeschäfte in Osteuropa. Dass das Geld in Wahrheit eine Provision aus der Buwog-Privatisierung gewesen sei, das habe er erst nach Meischbergers Selbstanzeige im Herbst 2009 erfahren.

Zeuge Norbert R. per Videokonferenz befragt

Der zweite Zeuge, Norbert R., wurde per Videokonferenz mit dem Fürstlichen Landgericht in Vaduz befragt. Er hatte bei der Hypo Investmentbank Liechtenstein, damals eine Tochter der landeseigenen Hypo Vorarlberg, im Herbst 2008 die Agenden des kurzfristig ausgeschiedenen Bankberaters Christoph W. von Meischberger übernommen. Er hatte Meischberger 25.000 Euro in bar von seinem Konto nach Wien bringen lassen, für den Bargeldtransport habe er einen Geldtransport beauftragt. In Wien habe er Meischberger im Hotel am Stephansplatz getroffen und ihm das Bargeld überreicht. Warum das Geld nicht per Banküberweisung zu Meischberger gekommen sei, wollte Richterin Marion Hohenecker vom Zeugen wissen. Das sei auf Wunsch von Meischberger so erfolgt, so der Zeuge, und räumte ein, dass durch diesen „Schnitt“ die Rückverfolgbarkeit des Geldes nicht mehr gegeben war.

Der dritte heute befragte Zeuge, Tobias S., hatte ebenfalls nach dem Ausscheiden des Bankberaters Christoph W. von diesem die Betreuung eines Kontos übernommen: Das Konto „Karin“ gehörte „sonnenklar“ dem Makler Ernst Karl Plech, den er auch mit dessen Ehefrau und Sohn in Wien getroffen habe, schilderte der Bankberater – und stützte damit die Anklage. Denn der nun mitangeklagte Plech bestreitet, dass ihm das Konto „Karin“ zuzuordnen sei, er habe es nur für Meischberger treuhändig verwaltet. Der Name Meischberger sei ihm nie untergekommen, und Plech habe dies auch nie in den Kundengesprächen mit ihm erwähnt, so der Zeuge. Wenn es so gewesen wäre, hätte es in der Bank dokumentiert werden müssen - was aber nicht der Fall war.

Der Prozess geht morgen, Donnerstag, weiter: Am Vormittag wird statt des Zeugen Tilo Berlin, der sich entschuldigte, Meischberger zu Zeugenaussagen Stellung nehmen. Um 11.30 ist dann die Vernehmung eines weiteren Zeugen angesagt. (APA)