Letztes Update am Mi, 30.10.2019 19:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

Neue Liederbuch-Affäre bei der FPÖ, diesmal in der Steiermark

In einem Liederbuch der Verbindung „Pennales Corps Austria zu Knittelfeld“ ist ein Text enthalten, der unter anderem eine „Heil Hitler“-Passage enthält. Der freiheitliche Nationalsratsabgeordnete Wolfgang Zanger ist Mitglied der Verbindung.

Mario Kunasek (FPÖ).

© Thomas Boehm / TTMario Kunasek (FPÖ).



Wien, Graz — Nach der Liederbuch-Affäre in Niederösterreich, die zwischenzeitlich die Karriere von FPÖ-Landesobmann Udo Landbauer gebremst hat, gibt es nun einen ähnlichen Fall in der Steiermark. Wie die Krone online berichtet, ist in einem Liederbuch der Verbindung „Pennales Corps Austria zu Knittelfeld" ein Text enthalten, der unter anderem eine „Heil Hitler"-Passage enthält.

Politische Brisanz erhält der Fall dadurch, dass mit Wolfgang Zanger ein freiheitlicher Nationalratsabgeordneter Mitglied der Verbindung ist. Dieser erklärte, dass er zwar tatsächlich seit Schulzeiten bei der Burschenschaft, aber seit zwei Jahren nicht mehr „Altherrenobmann" sei. Das 400 Seiten starke Liederbuch liege in der Bude, dem Sitz der Verbindung auch nicht auf, bei sich daheim habe er es aber gefunden.

Zanger will sich nicht distanzieren

Betont wird von Zanger, der in der Vergangenheit nicht nur durch rüde Zwischenrufe sondern auch durch die Teilnahme an einer Identitären-Demonstration aufgefallen war, dass das Buch ursprünglich von der Grazer Burschenschaft Cheruskia verfasst worden sei. Daher will sich Zanger, der Mitglied des steirischen FPÖ-Präsidiums ist, auch nicht distanzieren. „Distanzieren kann ich mich nur von etwas, das ich selbst geschrieben, gesagt oder getan habe. Warum soll ich mich von etwas distanzieren, das andere geschrieben haben?", wird Zanger zitiert.

Einzelne Liedtexte in dem Werk haben ein eindeutige Schlagzeile, etwa „Heil Hitler, ihr alten Germanen, ich bin der Tacitus" oder „Rothschild hat das meiste Geld, schließlich muss in jedem Fache einer doch der Größte sein und so ist auch ohne Zweifel festgestellt das größte Schwein". Auch die Verbindung zur Republik Österreich scheint nicht gerade positiv zu sein, wenn es in dem Lied heißt: „Land der Nehmer, Land der Geber, Land der Kriecher, Land der Streber".

Grünen-Spitzenkandidatin Sandra Krautwaschl forderte FP-Landeschef Mario Kunasek per Aussendung auf, in seiner Partei für Ordnung zu sorgen. Rasch reagiert haben auch die steirischen NEOS. Deren Spitzenkandidat bei der bevorstehenden Landtagswahl Niko Swatek verlangte bei Bestätigung der Vorwürfe, dass Zanger sein Nationalratsmandat niederlegt und von Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP), dass dieser eine Koalition mit den Freiheitlichen ausschließt. Auch für Krautwaschl steht es außer Frage, dass Zanger seine politischen Funktionen niederlegen muss.

Schützenhöfer will Handlungen

Empört reagiert auch der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) auf die neue Liederbuch-Affäre. In einer schriftlichen Stellungnahme erwartet er sich "unmissverständliche Handlungen, bevor die Steiermark in ein schlechtes Licht gerückt wird".

Solche Nachrichten schadeten nicht nur der FPÖ, sondern der ganzen Gesellschaft und dem Land: "Für diese Geisteshaltung ist in der Steiermark kein Platz."

Kunasek distanziert sich

Der steirische FPÖ-Chef Mario Kunasek distanziert sich vom Liederbuch, das aus einer Verbindung stammt, der auch der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Wolfgang Zanger angehört. In einer Stellungnahme erklärt er, dass das Buch nichts mit seiner Partei zu tun habe: "Die veröffentlichten Inhalte lehnen wir kategorisch ab."

Seitens der SPÖ nützte Spitzenkandidat und Landeschef Michael Schickhofer die Affäre dafür, freiheitliche Wähler einzuladen, den Sozialdemokraten bei der Landtagswahl die Stimme zu geben: "Ich weiß, dass viele FPÖ-Wähler angesichts des enthüllten Skandals ebenfalls enttäuscht und schockiert sind." Bei dem, was im Liederbuch stehe, werde ihm "richtig schlecht". (APA)