Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 02.12.2019


Innenpolitik

„Vernichtungsfeldzug“: Strache sucht für sich die Opferrolle

Der frühere FPÖ-Obmann steuert auf einen baldigen Parteiausschluss zu. Gegen ihn wird ermittelt. Er ortet hingegen einen „Vernichtungsfeldzug“.

Strache brachte das Ibiza-Video politisch zu Fall.

© APAStrache brachte das Ibiza-Video politisch zu Fall.



Wien – Als im Mai bekannt wurde, dass er sich vor mehr als zwei Jahren in einer Villa auf Ibiza angeschickt hatte, die halbe Republik zu verscherbeln, zerbrach die rechtskonservative Koalition. Heinz-Christian Strache erklärte als FPÖ-Chef und Vizekanzler seinen Rücktritt. In Sachen FPÖ-Spesenaffäre wird gegen Strache ermittelt. Er soll sich sein Alltagsleben von der Partei bezahlen haben lassen. Im Zusammenhang mit der Casinos-Affäre fand bei Strache unter anderem eine Hausdurchsuchung statt.

Anfang Oktober suspendierte daraufhin die FPÖ ihren langjährigen Parteiobmann. Jetzt soll es zu einem baldigen Parteiausschluss kommen. Strache selbst übt sich derweil in der Opferrolle. Wegen des „Vernichtungsfeldzugs“ gegen seine Person wird sich der frühere FPÖ-Obmann nun an die Zivilgerichte wenden. Das kündigte er via Facebook an. Er werde „die an Kriminalität nicht zu überbietenden Angriffe“ nicht länger hinnehmen. Konkreter wurde Strache nicht. Strache bezieht sich jedenfalls auf Berichte, wonach er Privatausgaben in dienstliche Rechnungen umwandeln habe lassen, womit sie dann auch von der FPÖ bezahlt wurden.

Allgemein wird mit einem baldigen Parteiausschluss gerechnet. Verschiedene Aktionen, die Strache seit Ibiza gesetzt hat, sind in Herbert Kickls Augen parteischädigend: Der FPÖ-Klubobmann spricht von einem „massiven Vertrauensbruch“. (TT)