Letztes Update am Mo, 02.04.2012 22:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Anonymous Austria

Viel Lärm um nichts: Politiker-E-Mails offenbar Aprilscherz

Gelungener Aprilscherz oder verscherzt? Die Ankündigung des österreichischen Anonymous-Ablegers AnonAustria, in der Nacht auf Sonntag brisante E-Mails zu veröffentlichen, entpuppte sich als Streich.



Wien - Der eine oder andere Politiker blickte der Nacht zum 1. April wohl mit geballter Nervosität entgegen, auch viele Internet-Nutzer warteten gespannt darauf, dass die Uhren Mitternacht schlagen: Die Netz-Aktivisten von AnonAustria hatten angekündigt, zeitgleich mit dem Start der viel kritisierten Vorratsdatenspeicherung (VDS) am 1. April eine Bombe platzen zu lassen. Unter dem Namen „Operation Pitdog“ (Operation Grubenhund) sollten um Mitternacht brisante E-Mails veröffentlicht werden, „die Österreich erschüttern“. Man habe über Monate hinweg „Dutzende E- Mail- Accounts von Politikern überwacht“.

Doch als es dann so weit sein sollte, herrschte wohl Erleichterung auf der einen und Ernüchterung auf der anderen Seite: Zwar sprang der vor einigen Tagen eigens eingerichtete Countdown pünktlich um 00.00 Uhr auf „Now!“, doch auf der Twitter-Seite von AnonAustria hieß es: „Sorry bronies, Party dauert länger!“

Die Follower dürften ihre „Aktualisieren“-Buttons wohl überstrapaziert haben, bis eine Stunde später eine Meldung kam, derzufolge offenbar irgendjemand versuche, die Veröffentlichung der Daten durch einen Angriff auf den Server zu verhindern. Es handle sich dabei um eine Aktion der Behörden und man versuche, „die Ratte loszuwerden“, hieß es in einer weiteren Meldung – die Follower sollten sich gedulden. Dass ausgerechnet Anonymous, das in der Vergangenheit häufig mittels solcher Angriffe Websites lahmgelegt hatte, Opfer einer solchen Attacke werden sollte, ließ spätestens ab diesem Zeitpunkt wohl die meisten der Mitleser an einen Aprilscherz glauben. Auch das Twitter-Stichwort „Pitdog“ hätte den einen oder anderen stutzig machen können, ist ein „Grubenhund“ doch eine spezielle Form der Zeitungsente.

Interne Differenzen

Die Zweifel blieben nicht lange unbegründet: In einem Bekennerschreiben an die „Bürger Österreichs“, auf das AnonGermany verwies – aus allerdings zweifelhafter Quelle – gab AnonAustria schließlich an, „Differenzen in den eigenen Reihen“ seien der Grund für den Stillstand. Die Leaks seien komplett frei erfunden, um die Aufmerksamkeit der Medien für die Vorratsdatenspeicherung „so weit wie es geht hochzukurbeln“. Dies sei auch ein voller Erfolg gewesen. „Einige von uns können nicht mehr hinnehmen, dass ihr weiter belogen werdet. Jeder hier hat ein Recht auf Wahrheit, Freiheit und Demokratie.“

Auch die Meldung, die Regierung habe versucht, den Server anzugreifen, sei nur eine Ausrede gewesen, „um euch weiter bei Laune zu halten“, während man intern nach einer Lösung suche. Offenbar gab von Anfang an Stimmen, die gegen diese Aktion waren. „Wir hoffen, diese Aktion war vorallem der Politik eine Lehre, wie es sich anfühlt, wenn jemand Daten über einen hat, die nicht für die Öffentlichkeit gemacht sind“, hieß es in dem Schreiben abschließend.

Doch darüber, ob die Aktion nun ein Erfolg war oder nicht, gingen die Meinungen auf Twitter auseinander. Viele glauben, dass der Glaubwürdigkeit von AnonAustria mehr geschadet als genutzt haben dürfte. Die Aktivisten selbst sehen das offenbar weitaus gelassener: Ihr einziger Tweet bisher: „Chillt mal...“. (ema)




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