Letztes Update am Sa, 31.01.2015 06:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Burschenschafter-Treffen

Mehrere Verletzte und Festnahmen bei Akademikerball-Protesten

Bei den Demonstrationen gegen den Akademikerball ist es am Abend in der Wiener Innenstadt zu Ausschreitungen gekommen. Sechs Polizisten wurden verletzt.

© APA Protesten gegen den Akademikerball in der Wiener Hofburg.



Wien - Die Demonstrationen gegen den Akademikerball in der Wiener Hofburg sind am Freitagabend zwar zumindest vorerst etwas ruhiger als im letzten Jahr verlaufen, zu Auseinandersetzungen mit der Polizei ist es aber auch heuer gekommen. Die Exekutive berichtete von vorerst 35 Festnahmen, danach war von mindestens fünfzig die Rede. Insgesamt wurden im Rahmen des Einsatzes sechs Polizeibeamte verletzt. Bei den Verletzungen handle es sich beispielsweise um leichte Prellungen, Schnittverletzungen und ein Knalltrauma, sagte Polizeisprecher Roman Hahslinger. Insgesamt seien mehr als 2500 Polizisten im Einsatz gewesen. Zwei weitere Person dürften verletzt worden sein.

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Bereits am Nachmittag hatte die Polizei bei der Kontrolle eines tschechischen Reisebusses auf der A4 Waffen wie einen Schlagring und Messer sichergestellt und sechs Personen festgenommen. In einem Bus aus München wurden „Pyrotechnik und Sturmhauben“ gefunden, er wurde an der Stadtgrenze gestoppt und zurückgeschickt. Insgesamt wurden etwa 150 Anzeigen wegen strafrechtlicher und verwaltungsstrafrechtlicher Übertretungen erstattet.

Tausende Menschen bei Kundgebung

Die Demonstrationen von linken Aktivisten gegen den von der FPÖ veranstalteten Ball verliefen zunächst friedlich. Die „Offensive gegen Rechts“ sowie weitere kleinere Gruppen marschierten durch die Innenstadt und hielten dann laut Polizei mit mehr als 5000 Personen (laut Veranstaltern rund 9000) eine Kundgebung am Stephansplatz ab, die sich aber recht bald friedlich auflöste. Ohne Zwischenfälle lief unterdessen die Kundgebung der Plattform „Jetzt Zeichen Setzen“ am Heldenplatz ab. Dort nahmen rund 2000 Besucher an einem Konzert sowie anschließenden Reden der Holocaust-Überlebenden Dora Schimanko und dem ehemaligen KZ-Häftling Rudi Gelbard teil.

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Nach Ende der OGR-Kundgebung versuchten die Demonstranten an mehreren Punkten in der Stadt Blockaden zu errichten, um die Ballbesucher an der Zufahrt zur Hofburg zu hindern. Dabei wurden unter anderem mehrere Taxis blockiert und beschädigt, so wurden etwa Reifen von Autos aufgeschlitzt. Es kam auch zu Scharmützeln mit der Polizei. Dabei wurden auch Böller abgefeuert, wodurch ein Polizist ein Knalltrauma erlitt. Darüber hinaus mussten auch zumindest zwei weitere Personen durch Rettungskräfte versorgt werden. Offizielle Angaben zu Verletzten konnten vorerst weder die Polizei noch die Wiener Rettung machen. Vereinzelt wurden auch vermummte Demonstranten gesehen. Zu einem offensichtlichen Auftreten der Plattform NOWKR, deren Demonstration von der Polizei untersagt worden war, kam es nicht.

Rund um den Veranstaltungsort des Akademikerballs in der Wiener Hofburg hatte die Polizei wieder eine Sperrzone eingerichtet. Innerhalb dieser veranstaltete die Wiener FPÖ eine Gegenkundgebung zu den Demonstrationen. Da diese Kundgebung laut Polizei nicht genehmigt war, wurden die Transparente abgenommen.

Strache: Ball „absolut legitim“

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vergnügte sich unterdessen auf dem Ball und verteidigte dabei neuerlich die Veranstaltung. „Bei diesem freiheitlichen Akademikerball geht es um die Meinungsfreiheit, um die Versammlungsfreiheit, das steht jeder politischen, demokratischen Kraft in diesem Land auch zu“, sagte er gegenüber „FPÖ-TV“. Der Ball sei ein „absolut traditioneller und legitimer Ball“, sagte der Parteichef. „Genauso wie wenn die SPÖ oder die Grünen oder andere einen Ball organisieren.“

Ausschreitungen bei Protesten gegen den Akademikerball in der Wiener Hofburg.
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Kritik am Vorgehen der Wiener Polizei übte unterdessen der Landesparteisekretär der Wiener FPÖ, Hans-Jörg Jenewein. Diese hatte am Heldenplatz innerhalb der Sperrzone mehreren Personen Transparente mit dem Logo der Wiener FPÖ abgenommen, die sich gegen die Gegendemonstranten gerichtet hatten. Für Jenewein hat die Polizei damit für eine „unfreiwillig komische Szene“ gesorgt. „Der Druck der wütenden Häupl-Demonstranten“ sei „offenbar zu stark“ geworden, meinte er in einer Aussendung. „Die Standkundgebung wurden zwar nicht behördlich verboten - obwohl das vorerst im Raum stand - man nahm den 15 freiheitlichen Teilnehmern jedoch kurzerhand die Transparente ab“, so der Landesparteisekretär.

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Via Kurznachrichtendienst Twitter begründete die Polizei die Abnahme der Transparente mit Missbrauch durch Ballbesucher: „Ballbesucher missbrauchten Berechtigung, nach Provokation wurden die Transparente abgenommen.“ (APA/tt.com)