Letztes Update am Mo, 16.02.2015 14:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Innenpolitik

Strache vs. ORF: FPÖ wittert „Diffamierungskampagne“

Erst der „schwule“ Strache bei den „Vorstadtweibern“, dann ein Streit zwischen dem blauen Parteichef und SOKO-Kitzbühel-Star Kristina Sprenger beim Villacher Fasching: Die FPÖ wirft dem ORF eine „Vorwahl-Diffamierungskampagne“ vor und fordert Konsequenzen.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.

© APAFPÖ-Chef Heinz-Christian Strache.



Wien – Die FPÖ schießt sich weiter auf den ORF ein und will nun ORF-Stiftungsrat und -Publikumsrat mit der Untertitel-Causa in der ORF-Erfolgsserie „Vorstadtweiber“ sowie „Schimpftiraden“ gewisser ORF-Herrschaften beschäftigen, wie es FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache am Montag auf Twitter formulierte. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sprach von einer „Vorwahl-Diffamierungskampagne“ gegen Strache.

Hintergrund: In der Rohfassung einer Folge der „Vorstadtweiber“ wurde Strache als „schwul“ bezeichnet. Der ORF schnitt die Szene zwar aus der gesendeten Version heraus, in der Untertitelung für Hörbehinderte blieb der Dialog aber versehentlich stehen. Dann nannte der Rapper Nazar, der für den ORF im Coaching-Team der Österreich-Vorauswahl zum Eurovision Song Contest steht, Strache bei einem Konzert einen „Hurensohn“. Und darüber hinaus sah sich der FP-Chef rund um die Aufzeichnung des „Villacher Faschings“, der am Dienstag vom ORF ausgestrahlt wird, auch noch von der früheren „SOKO Kitzbühel“-Darstellerin Kristina Sprenger beschimpft.

FPÖ wittert „handfesten Skandal“

Der FPÖ-Politiker Harald Vilimsky berichtete via Aussendung schon vergangenen Woche von dem „Eklat im Umfeld des ‚Villacher Faschings‘“. Strache sei demnach „von ORF-Schauspielern im Beisein und unter offensichtlicher Goutierung von Teilen der ORF-Führung primitiv beschimpft“ worden. FPÖ-Generalsekretär Kickl sprach am Montag vom „privaten Ausritt einer offenbar abgehobenen Serien-Darstellerin. Dass Frau Sprenger jetzt der Mumm fehlt, zu Ihren Peinlichkeiten zu stehen und sich zu entschuldigen, anstatt zu versuchen, die Tatsachen zu verdrehen, ist bezeichnend für ihr politisches und moralisches Heldentum.“

Dass die beim Streit zwischen Sprenger und Strache anwesenden „ORF-Granden“, Fernsehdirektorin Kathrin Zechner und Finanzdirektor Richard Grasl, bisher „kein Wort des Bedauerns gefunden haben“, ist für Kickl ein weiterer „handfester Skandal“. Und zum „Hurensohn“-Sager von Rapper Nazar meinte Kickl, der „Favoritener Schrumpf-Bushido“ sei „eher ein Fall für den Psychiater als für eine Bühne“. Dem ORF warf Kickl eine „Anti-FPÖ-Strategie auch im Bereich der Unterhaltung“ vor. Empört gab sich auch Strache selbst. „Von ‚Arschloch‘, ‚Schwul‘ bis ‚Hurensohn‘ .... Niveau kann man eben nicht kaufen. Das sind die primitiven Schimpftiraden gewisser Herrschaften, welche für den ORF tätig sind. Für einen öffentlich-rechtlichen Sender nicht tragbar! Wie kommen die ORF-Zwangsgebührenzahler dazu?“, twitterte der FPÖ-Chef am Montag.

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FPÖ fordert Konsequenzen

Die FPÖ fordert in der Angelegenheit Konsequenzen und eine Stellungnahme von Generaldirektor Alexander Wrabetz. Die „Vorstadtweiber“-Causa wollen die Freiheitlichen bei den nächsten Sitzungen von ORF-Stiftungsrat (5.3.) und Publikumsrat (26.2.) thematisieren. Die ORF-Führung wollte die Vorwürfe am Montag nicht kommentieren. Auch von Sprenger, sie ist inzwischen als Theater-Intendantin in Niederösterreich, gab es keinen Kommentar. Ohrenzeugen des „Fasching“-Streits zu vorgerückter Nachtstunde berichteten unterdessen, dass FPÖ-Chef Strache, nachdem er von Sprenger aufgefordert worden war, wo anders Platz zu nehmen, ebenfalls nicht zimperlich zur Sache gegangen sei und selbst die eine oder andere Beleidigung abgesondert haben soll. Den anwesenden ORF-Direktoren soll er für den Fall einer FPÖ-Regierungsbeteiligung den Verlust ihrer Funktion in Aussicht gestellt haben. „Das ganze fällt in die Kategorie Lei-Lei“, so ein Zeuge. (APA)


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