Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 10.05.2015


Innenpolitik

Rot-schwarzer Zwist um die Sexualerziehung in der Schule

ÖVP-Ministerin Karmasin warnt davor, die Eltern zu übergehen. Anfang Juni tagt der Beirat der SPÖ-Ministerin Heinisch-Hosek.

Kulturkampf um die Sexualerziehung: Gabriele Heinisch-Hosek (l.), Sophie Karmasin.<span class="TS_Fotohinweis">Foto: APA/Fohringer</span>

© APAKulturkampf um die Sexualerziehung: Gabriele Heinisch-Hosek (l.), Sophie Karmasin.Foto: APA/Fohringer



Wien – In der Sexual­erziehung an Österreichs Schulen schreiben wir das Jahr 1990 – zumindest stammt aus diesem Jahr der gültige Erlass des Unterrichtsministeriums zu diesem heiklen Thema. Die Arbeit an einer Neufassung droht nun aber in die Mühlen eines rot-schwarzen Zwistes zu geraten. Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) hat die Einwände von Elternvertretungen aufgegriffen und warnt davor, dass diese nicht berücksichtigt wurden.

Der TT liegt ein Entwurf für den neuen Erlass vor. Darin heißt es auf der ersten Seite: „Zeitgemäße Sexualerziehung versteht sich heute als eine Form der schulischen Bildung, die altersentsprechend in der frühen Kindheit beginnt und sich bis ins Erwachsenenalter fortsetzt.“ Weiter hinten finden sich unter dem Abschnitt „Vernetzung der Lebenswelten“ die „gute Zusammenarbeit“ mit und die „zentrale Rolle“ der Eltern bzw. Angehörigen.

Im geltenden Erlass liest sich diese Rolle noch anders. Dort ist die Sexual­erziehung als „primär­e Aufgabe der Eltern/Erziehungsberechtigten“ beschrieben.

Unterrichtsministerin Gabriele Heinisch-Hosek strebt an, dass der neue Erlass mit Beginn des kommenden Schuljahres – also im Herbst – in Kraft tritt, sagte ihre Sprecherin gestern zur TT. Anfang Juni tagt wieder der von Heinisch-Hosek eingesetzte Beirat. Im Gegensatz zum geltenden Papier sollen künftig auch konkrete Kompetenzen angesprochen werden, die Schülerinnen und Schüler erwerben sollen. So sollen sie „wesentliche Faktoren einer sexuell gesunden Lebensweise (Ressourcen) und krankmachende Faktore­n (Risiken)“ benennen können, sie sollen wissen, wo und wie sie sich zum Thema Partnerschaft und Sexualität informieren können, sie sollen eine „positive Haltung sich selbst und den eigenen Bedürfnissen gegenüber“ zeigen können und sie sollen sich mit der Darstellung von Sexualität in den Medie­n – Stichworte „Sexting“ und „Pornografi­e“ – auseinandersetzen. Sexual­erziehung solle als Unterrichtsprinzip quer durch die Schulfächer Thema sein.

Karmasin verlangt nun in der Presse einen Neustart der Diskussion, um auch die Eltern und Eltern­verbände einzubinden. Heinisch-Hosek hält dagegen, dass sie ihr­e Plän­e ohnehin in ein­e Begutachtungsrunde geschickt habe, die bei Erlässen nicht zwingend vorgeschrieben sei.

Kritik an den Plänen Heinisch-­Hoseks kommt auch vom kirchennahe­n „Institut für Ehe und Familie“: Der vorgelegte Entwurf eines Grund­erlasses weise zahlreiche Schwächen auf und sei „wertlos­e“ Sexualpädagogik, die Kinder auf nicht altersgemäße Weise mit Pornografie konfrontiere und „auf leisen Sohlen vorbei an den Eltern“ geh­e. FPÖ-Familiensprecherin Anneliese Kitzmüller will den neuen Erlass „verhindern“. (sabl)


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