Letztes Update am Sa, 27.08.2016 14:52

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konflikte

Minenarbeiter wegen Tötung von Vizeminister in Bolivien verhaftet

Der stellvertretende Innenminister war bei Protesten von Bergarbeitern erschlagen worden. Jetzt haben die Behörden die mutmaßlichen Täter gefasst.

Mahnwache für den getöteten stellvertretenden Innenminister Boliviens, Rodolfo Illanes.

© AFPMahnwache für den getöteten stellvertretenden Innenminister Boliviens, Rodolfo Illanes.



La Paz – Nach der brutalen Folterung und Tötung des Vizeinnenministers ermitteln die Behörden in Bolivien gegen über 40 Minenarbeiter. Fünf von ihnen sollen direkt für den Tod des 55-jährigen Politikers Rodolfo Illanes verantwortlich sein, wie Generalstaatsanwalt Ramiro Guerrero erklärte.

Der Chef des Dachverbandes der Bergarbeiter-Genossenschaften (Fencomin), Carlos Mamani wurde festgenommen, es kam zu mehreren Razzien.

Illanes war am Donnerstag zu einer Straßenblockade der Mineros in Panduro, 165 Kilometer südöstlich von La Paz, gereist, um in einem Konflikt um eine stärkere Einflussnahme von Gewerkschaften auf die selbstständig organisierten Minenarbeiter zu vermitteln. Er wurde von aufgebrachten Arbeitern festgenommen, stundenlang geschlagen und gefoltert. Nach Angaben von Generalstaatsanwalt Guerrero starb er an schweren Brüchen und inneren Verletzungen.

Auch drei Kumpel kamen bei Zusammenstößen mit der Polizei ums Leben. Die in Genossenschaften zusammengeschlossenen Bergarbeiter protestieren seit Anfang August gegen ein neues Gesetz, nach dem sich ihre Mitglieder auch Gewerkschaften anschließen dürfen. Dies bedeute eine ungerechtfertigte Einmischung der Gewerkschaften in dem Genossenschaftssektor, beanstandete Fencomin.

Staatspräsident Evo Morales bezichtigte die Genossenschaften selbstständiger Minenarbeiter, Teil einer „politischen Verschwörung“ zu sein. Die Kumpel seien von Oppositionellen manipuliert worden. Morales rief eine dreitägige Staatstrauer wegen des Todes seines Kabinettsmitglieds Illanes aus. (dpa)