Letztes Update am Mi, 05.07.2017 07:14

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Konflikte

USA drohen Nordkorea nach Raketentest mit harten Maßnahmen

Nordkorea hat mit dem Test die Kapazitäten der strategischen Waffen des Landes vervollständigt. Dazu gehörten auch herkömmliche Atombomben und Wasserstoffbomben.

Als Reaktion auf den Test des nordkoreanischen Regimes führten die USA und Südkorea am Mittwoch eine gemeinsame militärische Übung durch und feuerten dabei mehrere Raketen ab.

© AFPAls Reaktion auf den Test des nordkoreanischen Regimes führten die USA und Südkorea am Mittwoch eine gemeinsame militärische Übung durch und feuerten dabei mehrere Raketen ab.



Pjöngjang/Washington – Die USA haben einen Tag nach Nordkoreas Test einer ballistischen Interkontinentalrakete (ICBM) „härtere Maßnahmen“ gegen Pjöngjang angekündigt. Als Warnung an Machthaber Kim Jong-un hielten das amerikanische und südkoreanische Militär zudem am Dienstag eine gemeinsame Raketenübung ab. Der UNO-Sicherheitsrat kommt unterdessen am Mittwochabend zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Die USA verurteilten „Nordkoreas Start einer interkontinentalen ballistischen Rakete scharf“, erklärte US-Außenminister Rex Tillerson am Dienstag. Der Test einer solchen Rakete stelle „eine neue Eskalation der Bedrohung für die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und Partner, die Region und die Welt dar“. Seine Regierung werde es niemals zulassen, dass Nordkorea über Atomwaffen verfügt, bekräftigte der Chefdiplomat in Washington.

Letzter Schritt zur Atommacht

Nordkorea hatte am Dienstag verkündet, es habe in einem „historischen Durchbruch“ erfolgreich eine ballistische Interkontinentalrakete des Typs Hwasong-14 getestet. Die US-Streitkräfte hatten zunächst von einer landgestützten Mittelstreckenrakete gesprochen; das US-Außenministerium geht jedoch mittlerweile ebenfalls von einer ICBM aus. Als ICBM gelten Raketen mit einer Reichweite von mehr als 5500 Kilometern. US-Experten warnten, der nördliche US-Staat Alaska könnte mit damit erreicht werden.

Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA meldete am Mittwoch, die Rakete könnte mit einem „großen Atomsprengkopf“ bestückt werden. Nach Angaben der nordkoreanischen Regierung in Pjöngjang erreichte die neue Rakete eine Flughöhe von 2802 Kilometern und flog 933 Kilometer weit. Pjöngjang sprach von einem letzten Schritt zur Atommacht. Kim Jong-un nannte die Rakete ein „Geschenk“ für die „amerikanischen Bastarde“ zum Unabhängigkeitstag der USA.

Die Führung in Pjöngjang arbeitet ungeachtet scharfer internationaler Proteste seit Jahren an der Entwicklung von Langstreckenraketen, mit denen atomare Sprengköpfe bis in die USA getragen werden könnten. Experten zweifeln aber an der Fähigkeit Nordkoreas, tatsächlich die nötige Technologie für einen solchen Angriff zu entwickeln.

Gefährliche Eskalation

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres bezeichnete den Raketentest als „weiteren unverschämten Verstoß gegen Resolutionen des Sicherheitsrats“. Er warf Nordkorea „eine gefährliche Eskalation der Lage“ vor. Die Europäische Union erklärte, sie erwäge als Reaktion neue Sanktionen gegen Nordkorea. Der UNO-Sicherheitsrat kommt am Mittwochabend zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, um über das weitere vorgehen zu beraten.

US-Präsident Donald Trump forderte von Nordkoreas Verbündeten China entschiedene Schritte gegen „diesen Unsinn“ und erklärte im Kurzmitteilungsdienst Twitter am Dienstag, er glaube kaum, dass Japan und Südkorea die Tests „noch länger hinnehmen“ würden.

Zur Entschärfung des Konflikts forderten Russland und China ein Aussetzen von Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm und zugleich den Verzicht der USA und Südkoreas auf große gemeinsame Militärmanöver.

Militärmanöver von USA und Südkorea

Doch bereits am Mittwoch sendeten Washington und Seoul ein Signal der militärischen Stärke: Bei einer gemeinsamen Übung simulierten sie einen Angriff auf Nordkorea und feuerten mehrere ballistische Raketen ab. Die südkoreanische Armeeführung sprach von einer „starken Botschaft der Warnung“.

Trump hat seit seinem Amtsantritt im Jänner den Druck auf Pjöngjang erhöht. Seine Regierung schloss auch ein militärisches Vorgehen wegen des nordkoreanischen Atom- und Raketenprogramms nicht aus. Bisher blieben Trumps Bemühungen um eine Beilegung des Konflikts aber erfolglos. Neben den jüngsten Raketentests verschärfte zuletzt auch der Tod des US-Studenten Otto Warmbier die Spannungen zwischen Washington und Pjöngjang. Der Student fiel in nordkoreanischer Haft ins Koma und starb kurz nach seiner Rückkehr in die USA. (APA/AFP/dpa/Reuters)