Letztes Update am Mo, 09.04.2018 07:03

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nach Giftgasangriff

Syrien beschuldigt Israel nach Luftangriff auf Militärbasis in Homs

Ein syrischer Militärflughafen ist nach Berichten staatlicher Medien in der Nacht auf Montag bombardiert worden. Mehrere Geschosse hätten den Flughafen Taifur im Zentrum des Landes getroffen, meldete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Es sei davon auszugehen, dass es sich um einen US-Angriff gehandelt habe.

Eine Militärbasis in Homs soll massiv beschossen worden sein.

© ReutersEine Militärbasis in Homs soll massiv beschossen worden sein.



Damaskus/Washington/Paris – Eine Militärbasis in Homs im Westen Syriens ist von Raketen angegriffen worden. Das berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana in der Nacht auf Montag. Dabei habe es mehrere Opfer gegeben, hieß es. Demnach soll es 14 Tote und Dutzende Verletzte gegeben.

Die syrische Flugabwehr habe acht Raketen abgeschossen, so die Agentur weiter. Zivilisten berichteten laut dem syrischen Fernsehen von lauten Explosionsgeräuschen in der Gegend.

Russland und Syrien beschuldigen Isreal

Unklar war zunächst, wer für den Beschuss verantwortlich war. Berichte von Sana, dass es sich um einen US-Angriff handeln könnte, bestätigte das Pentagon nicht. „Das Verteidigungsministerium führt derzeit keine Luftangriffe in Syrien aus“, hieß am Sonntagabend (Ortszeit) aus Washington. „Allerdings beobachten wir die Situation weiterhin genau und unterstützen die anhaltenden diplomatischen Bemühungen, diejenigen zur Verantwortung zu ziehen, die Chemiewaffen in Syrien und anderswo einsetzen“, sagte ein Sprecher.

Russland und Syrien machten später das israelische Militär für den Luftangriff verantwortlich. Zwei israelische Kampfjets vom Typ F-15 hätten iacht Raketen auf den Flugplatz T4 abgefeuert, teilte das Verteidigungsministerium den Agenturen Tass und Interfax zufolge am Montag in Moskau mit.

Die syrische Luftabwehr habe fünf der Raketen abgefangen. Die drei anderen hätten den westlichen Teil des Geländes getroffen, hieß es. Auch die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete, israelische Jets hätten mehrere Raketen auf Syrien abgeschossen.

Syrische Soldaten in Douma.
Syrische Soldaten in Douma.
- AFP

Angriff nach Giftgas-Attacke

Libanesischen Medien zufolge hatten Bewohner nahe der südöstlichen Grenze zu Syrien in den frühen Morgenstunden von Kampfjets im Luftraum berichtet. Die Berichte konnten vorerst nicht unabhängig verifiziert werden.

Der Raketenangriff folgte jedenfalls auf Berichte über einen mutmaßlichen Giftgasangriff der syrischen Armee auf die Stadt Duma (Douma) in der Rebellenhochburg Ost-Ghouta, bei dem am Samstag mehr als 150 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 1000 verletzt worden sein sollen. US-Präsident Donald Trump hatte danach eine Warnung an Damaskus und seine Verbündeten als Reaktion auf den mutmaßlichen Chemiewaffenangriff ausgesprochen. Die Verantwortlichen müssten einen „hohen Preis“ dafür bezahlen, warnte Trump am Sonntag.

Trump und sein französischer Amtskollege Emmanuel Macron telefonierten am Sonntag zu den Ereignissen in Syrien. Das teilten das Weiße Haus und der Elysee-Palast mit. Die beiden Staatsmänner hätten den mutmaßlichen Giftgasangriff mit Dutzenden Toten scharf kritisiert und sich darauf verständigt, dass die syrische Führung um Präsident Bashar al-Assad zur Verantwortung gezogen werden müsse. Allerdings gab es zunächst keine stichhaltigen Beweise dafür, dass der mutmaßliche Giftgaseinsatz auf das Konto Assads geht. Die Assad-Verbündeten Russland und Iran weisen die Vorwürfe etwa zurück.

Assad und seine russischen Verbündeten sollen erneut eine Giftgas-Attacke gestartet haben.
Assad und seine russischen Verbündeten sollen erneut eine Giftgas-Attacke gestartet haben.
- AFP

Starke gemeinsame Reaktion koordinieren

„Sie haben sich darauf verständigt, Informationen zur Art der Attacke auszutauschen und eine starke, gemeinsame Reaktion zu koordinieren“, hieß es vom Weißen Haus nach dem Telefonat. Man wolle gemeinsame Aktionen und Initiativen mit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen koordinieren, der am Montag zusammentritt, hieß es in einer Mitteilung aus dem Elysee-Palast.

Nach dem mutmaßlichen Chemiewaffenangriff will sich der UNO-Sicherheitsrat am Montag damit befassen. Die USA beantragten die Dringlichkeitssitzung mit acht weiteren Staaten, darunter auch die ständigen Ratsmitglieder Frankreich und Großbritannien, am Sonntag. „Der Einsatz von Chemiewaffen, um unschuldige syrische Zivilisten zu verletzen und zu töten, ist zu gewöhnlich geworden“, teilte die amerikanische UNO-Botschafterin Nikki Haley mit. „Der Sicherheitsrat muss zusammenkommen und unmittelbaren Zugang für Retter fordern, eine unabhängige Untersuchung zum Hergang unterstützen und die für diese abscheuliche Tat Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.“

Russland hat für Montag seinerseits eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats angekündigt. Dabei werde es um die „Bedrohungen für den Frieden und die Sicherheit in der Welt“ gehen, sagte ein Sprecher der russischen Vertretung bei der UNO am Sonntag laut russischen Agenturberichten. Nähere Angaben machte er nicht.

Am Freitagabend waren die Kämpfe um die Stadt Duma, die von der islamistischen Rebellengruppe Jaysh al-Islam (Armee des Islam) kontrolliert wird, nach einigen Tagen Ruhe erneut eskaliert. Nachdem die Evakuierung von Duma mit russischer Hilfe ausgehandelt worden war, begann diese am Sonntagabend. Rebellen und Zivilisten begannen ihren Abzug aus der letzten von den Rebellen kontrollierten Stadt in Ost-Ghouta, teilte die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Laut einem Bericht von Sana sollten die Kämpfer von Jaysh al-Islam und ihre Familien mit Bussen in die nordsyrische Stadt Jarablus gebracht werden. (APA/dpa/AFP)

Zuvor waren Berichte eingegangen, dass die syrische Armee Giftgasbomben über Duma abgelassen hat. Dutzende Zivilisten kamen ums Leben.
Zuvor waren Berichte eingegangen, dass die syrische Armee Giftgasbomben über Duma abgelassen hat. Dutzende Zivilisten kamen ums Leben.
- APA/AFP/SYRIA CIVIL DEFENCE