Letztes Update am Mi, 13.06.2018 14:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Korea-Gipfel in Singapur

Nordkorea feiert Gipfel-Erfolg, Trump muss Kritik einstecken

Die nordkoreanische Staatspresse erwähnt das Versprechen der atomaren Abrüstung nicht, stattdessen wird auf die weitreichenden Zugeständnisse der USA verwiesen. US-Präsident Donald Trump muss Kritik dafür einstecken, dass er ohne konkrete Gegenleistungen die US-Soldaten abziehen will.

© REUTERSKim Jong-un (l.) und US-Präsident Donald Trump in Singapur.



Seoul/Pjöngjang – Die staatlichen Medien Nordkoreas haben das Gipfeltreffen von Machthaber Kim Jong-un mit US-Präsident Donald Trump als Erfolg für Pjöngjang gewertet. Es sei das „Treffen des Jahrhunderts“ gewesen, titelte die Parteizeitung am Mittwoch.

Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA schrieb, Trump habe seine Absicht erklärt, Militärmanöver mit Südkorea zu stoppen, dem Norden Sicherheitsgarantien zu geben und Sanktionen aufzuheben, wenn sich die Beziehungen verbesserten. Trump selbst twitterte, es gebe nun keine nukleare Bedrohung durch Nordkorea mehr. Kritik gab es an seiner Ankündigung, Militärmanöver mit Südkorea zu stoppen.

Trump und Kim hatten sich am Dienstag in Singapur erstmals persönlich getroffen, nachdem sie sich im vergangenen Jahr noch gegenseitig mit Atomangriffen bedroht hatten.

Atomare Abrüstung kein Thema in Medien Nordkoreas

KCNA berichtete, beide Seiten seien sich einig gewesen, dass Frieden, Stabilität und Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel nur schrittweise und durch gleichzeitiges Vorgehen erreicht werden könnten. Ansonsten war von der atomaren Abrüstung in nordkoreanischen Medien wenig zu lesen. Vielmehr konzentrierte sich die Berichterstattung auf das Ende der Feindseligkeiten. Kim habe betont, sollten die USA aufrichtig vertrauensbildende Maßnahmen ergreifen, werde auch Nordkorea weitere Zeichen des guten Willens setzen, hieß es bei KCNA.

Trump bekräftigte den Stopp amerikanisch-südkoreanischer Manöver. Diese kosteten enorm viel Geld. „Wir werden keine Manöver abhalten, solange wir in gutem Glauben verhandeln.“

Der Präsident hatte am Dienstag angekündigt, die Manöver einzustellen. Er würde gern irgendwann die 32.000 US-Soldaten in Südkorea nach Hause holen. Was er damit meinte, ist unklar. Nach offiziellen Angaben haben die USA 28.500 Soldaten in Südkorea. Zudem halten beide Länder jedes Jahr mehrere große Militärmanöver ab.

Japan und Südkorea nicht glücklich mit Trump-Versprechen

Mit Sorge blicken vor allem Japan und Südkorea auf einen Wegfall. Beide stehen in der Region unter US-Schutz. Der japanische Verteidigungsminister Itsunori Onodera bezeichnete die Militärpräsenz der USA in Südkorea und die gemeinsamen Manöver als wichtig für die Sicherheit in Ostasien. Darüber müsse eine Verständigung zwischen den drei Ländern hergestellt werden. Japan werde an den gemeinsamen Manövern mit den USA ebenso festhalten wie am Ausbau seiner Verteidigung gegen mögliche Raketenangriffe aus Nordkorea.

Aus dem Büro des südkoreanischen Präsidenten hieß es, man müsse zunächst herausfinden, was genau Trump gemeint habe oder vorhabe. Der US-Senator Lindsey Graham bezeichnete Trumps Äußerungen zum Truppen-Abzug als „absurd“. US-Soldaten in Südkorea seien keine Last für den Steuerzahler, sagte er dem Sender CNN. „Es bringt Stabilität. Und es ist eine Warnung an China, dass sie nicht die ganze Region vereinnahmen können.“

China indes zeigte sich erfreut. Trump und Kim hätten faktisch Chinas Vorschlag aufgegriffen, dass Nordkorea seine Atom- und Raketentests und die USA ihre Militärmanöver aufgebe. (APA/Reuters)