Letztes Update am Mo, 06.08.2018 14:45

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Proteste in Nicaragua

Nicaragua: Menschenrechtsorganisation bedroht

Mitarbeitern des Verbandes für Menschenrechte in Nicaragua (ANPDH) wurden Todesdrohungen ausgesprochen, nachdem sie über Tote und Verletzte infolge der Proteste gegen Präsident Ortega berichtet hatten.

© AFP/RecinosSeit Monaten gibt es in Nicaragua Demonstration gegen Präsident Ortega.



Managua — Nach viel beachteten Berichten über die gewaltsamen Proteste gegen Präsident Daniel Ortega hat eine Menschenrechtsorganisation in Nicaragua ihre Büros wegen Drohungen geschlossen. Der Verband für Menschenrechte in Nicaragua (ANPDH) begründete die vorübergehende Schließung am Sonntag mit „besorgniserregenden" Drohungen gegen seine Mitarbeiter.

Todesdrohungen per Telefon, Belagerung von Bewaffneten

Es habe unter anderem Todesdrohungen per Telefon gegeben, das Büro in der Hauptstadt Managua sei von Bewaffneten belagert worden.

Medienberichten zufolge hat ANPDH-Chef Alvaro Leiva nach Todesdrohungen sogar das Land verlassen. Bestätigen ließen sich diese Berichte zunächst nicht. Der Chef der Interamerikanischen Menschenrechtskommission, Paulo Abrao, erklärte allerdings im Kurznachrichtendienst Twitter, er habe Leiva zufällig an einem Flughafen in Honduras getroffen, von wo aus er nach Costa Rica haben weiterreisen wollen. Die von Abrao geleitete Menschenrechtskommission ist ein unabhängiges Gremium der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS).

ANPDH kritisierte gewaltsames Niederschlagen der Proteste

Nicaraguas linksgerichteter Staatschef Ortega sieht sich seit Monaten Massenprotesten ausgesetzt, die von Polizei und Paramilitärs regelmäßig niedergeschlagen werden. Seit Mitte April wurden nach Angaben von Menschenrechtsgruppen bereits mehr als 440 Menschen getötet. Der ANPDH hat regelmäßig Berichte zur Zahl der Toten, Verletzten und Vermissten veröffentlicht und die gewaltsame Niederschlagung der Proteste scharf kritisiert.

Auslöser der Proteste gegen Ortega waren später zurückgenommene Pensionskürzungen. Sie richten sich inzwischen gegen den autoritären Regierungsstil Ortegas und seiner Ehefrau, Vizepräsidentin Rosario Murillo. (APA/AFP)