Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.09.2018


Konflikte

Vucic: Lösung mit dem Kosovo „fast unmöglich“

Anstelle einer historischen Rede gab es am Wochenende neue Spannungen zwischen Serbien und dem Kosovo.

© AFPMit dieser Straßenblockade verwehrten Kosovo-Albaner dem serbischen Präsidenten gestern den Besuch des Dorfes Banje.



Belgrad, Pristina – Der serbische Staatspräsident Aleksandar Vucic hält einen Kompromiss im Konflikt mit dem Kosovo für „fast unmöglich“. Dies berichteten serbische Medien am Sonntag. „Wir sind weit entfernt von einer solchen Lösung“, habe Vucic am Vorabend bei einem Besuch der serbischen Minderheit im Nordkosovo gesagt.

Der fast nur noch von ethnischen Albanern bewohnte Kosovo hat sich vor zehn Jahren für unabhängig erklärt, unterstützt vom Großteil des politischen Westens. Serbien hingegen betrachtet den Kosovo weiterhin als seine Provinz und weiß dabei u. a. die UNO-Vetomacht Russland auf seiner Seite. Der ungelöste Konflikt verhindert einen EU-Beitritt beider Länder.

Bei dem Besuch im Kosovo wollte Vucic eigentlich seinen Vorschlag für einen dauerhaften Frieden vorlegen. Er hatte für Sonntag die wichtigste Rede seiner politischen Laufbahn angekündigt. Doch daraus wurde offenbar nichts.

Die Gründe für den Rückschlag in der Westbalkan-Diplomatie wurden zunächst nicht bekannt. Vor zwei Wochen bei den Politischen Gesprächen in Alp­bach hatten Vucic und der Präsident des Kosovo, Hashim Thaci, noch leidenschaftlich für einen Kompromiss geworben und von einem historischen Zeitfenster dafür gesprochen.

Teil ihrer Überlegungen war offenbar ein Gebietstausch. Doch in den Tagen danach gab es heftigen Widerstand in beiden Ländern, von Experten und auch von einigen EU-Staaten. Gestern erklärte Vucic nun, er werde einem Gebietstausch mit dem Kosovo niemals zustimmen. „Wenn sie sagen, dass ich die Grenzen ändern möchte, dann lügen sie“, sagte er. Bereits am Freitag hatte er ein weiteres Treffen mit Thaci in Brüssel platzen lassen.

Irritationen gab es auch, was die Kosovo-Reise des serbischen Präsidenten betrifft. Zwar hatte der Kosovo auf Druck der EU und der USA alle notwendigen Genehmigungen ausgestellt. Doch am Sonntagmorgen blockierten Kosovo-Albaner mit Baggern und Lastwagen eine Überlandstraße, um Vucics Konvoi an der Fahrt zu dem von ethnischen Serben bewohnten Dorf Banje zu hindern. Daraufhin entzog die Regierung des Kosovo „aus Sicherheitsgründen“ die Genehmigung.

Am Wochenende blieb zunächst unklar, ob Vucic lediglich einen taktischen Rückzieher gemacht hat oder ob die aktuelle Verhandlungsrunde gescheitert ist. Der serbische Präsident schien jedenfalls um Schadensbegrenzung bemüht. Serbien werde sich nicht mit den Großmächten anlegen, die den Kosovo als unabhängigen Staat anerkannt haben, versicherte er.

Stattdessen müsse Serbien wirtschaftlich stärker werden und seine Minderheit im Kosovo kräftig unterstützen, sagte Vucic. Dann könne sich in der Zukunft möglicherweise eine neue Chance für eine Lösung des Kosovo-Konflikts ergeben. (floo, APA, dpa)

Serbiens Präsident Vucic am Wochenende beim Besuch der serbischen Minderheit im Kosovo. Teile der Reise wurden blockiert.
- REUTERS



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