Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 10.09.2018


Konflikte

USA wussten von Putschabsichten

© AFPVenezuelas Staatschef Maduro im Kreis seiner Offiziere. Die Streitkräfte galten bisher als wichtige Stütze seiner Herrschaft.



Washington – Die US-Regierung hat über einen Berufsdiplomaten mehrfach mit einer Gruppe von Soldaten aus Venezuela gesprochen, die gegen Staatschef Nicolás Maduro putschen wollten. Das berichtete die New York Times unter Berufung auf Beteiligte und andere Insider. Dem Bericht zufolge wurden die Putschpläne nie konkretisiert und es kam auch zu keinerlei Hilfe der USA. Demnach dürfte es der US-Regierung in erster Linie um Informationen und um einen Kontakt zu rebellischen Offizieren in Venezuela gegangen sein.

Doch schon allein die Tatsache, dass es Ende 2017/Anfang 2018 drei Treffen gegeben haben soll, gilt als höchst brisant. Denn die Vereinigten Staaten haben während des Kalten Kriegs mehrfach in Lateinamerika interveniert, was viele in der Region noch nicht vergessen haben. Die Nachricht von den Treffen mit den Venezolanern werde in Lateinamerika einschlagen wie eine Bombe, zitierte die New York Times eine Diplomatin.

Zum Hintergrund gehört auch der Machtwechsel in Washington. Dem Bericht zufolge hatten die Venezolaner bereits in der Amtszeit von US-Präsident Barack Obama im Weißen Haus angeklopft, seien aber abgewiesen worden. Als dann dessen Amtsnachfolger Donald Trump selbst von einer militärischen Lösung für Venezuela sprach, versuchten es die Soldaten erneut und wurden angehört.

Der Westen und die meisten Lateinamerikaner werfen Maduro vor, Venezuela in eine Diktatur zu verwandeln und wirtschaftlich in den Abgrund geführt zu haben. (floo)