Letztes Update am So, 16.09.2018 09:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Russland

Erkranktes Pussy-Riot-Mitglied zur Behandlung in Berlin

Der 30-jährige Regimekritiker soll vergiftet worden sein, vermutet seine Lebensgefährtin.

© AFPPjotr Wersilow. (Archivaufnahme)



Moskau – Der mit Verdacht auf eine Vergiftung ins Krankenhaus eingelieferte Pussy-Riot-Aktivist Pjotr Wersilow ist wieder bei Bewusstsein und wird laut einem Medienbericht nun in Deutschland behandelt. Der 30-Jährige sei am Samstagabend mit einem Ambulanzflieger in Berlin-Schönefeld gelandet und zur Behandlung in eine Berliner Klinik gebracht worden, berichtete die Bild am Sonntag.

Wersilows Lebensgefährtin Veronika Nikulschina hatte gegenüber der russischen Nachrichten-Website Medusa am Samstag die Weiterbehandlung in Berlin angekündigt. Sie und seine Mutter wollten ihn begleiten.

Nikulschina zufolge leidet er weiter an Halluzinationen. Sie bekräftigte den Verdacht, Wersilow sei vergiftet worden.

30-Jähriger verlor Seh- und Sprechvermögen

Der 30-jährige Regierungskritiker, der auch die kanadische Staatsbürgerschaft hat, war am Dienstagabend in ein Moskauer Krankenhaus eingeliefert worden, nachdem er nach Angaben seiner Lebensgefährtin nach einer Gerichtsanhörung sein Seh- und Sprechvermögen verloren hatte. Am Donnerstag wurde er auf die Intensivstation des renommierten Sklifossowski-Instituts verlegt.

Wersilow und Nikulschina gehören zu einer Gruppe von vier Pussy-Riot-Mitgliedern, die beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft im Juli in Polizeiuniformen auf das Spielfeld gestürmt waren, um gegen die Unterdrückung politisch Andersdenkender in Russland zu protestieren. Wegen des Protestes saßen sie 15 Tage in Haft.

Wersilow ist Gründer der Website MediaZona, die über Gerichtsverfahren gegen Menschenrechtsaktivisten berichtet. In jüngster Zeit arbeitete er an einem Dokumentarfilm über einen der drei russischen Journalisten, die im August bei Recherchen über eine russische Söldnergruppe in der Zentralafrikanischen Republik getötet worden waren. (APA/AFP)